Polizei warnt Politiker vor weiteren Gift-Anschlägen

Strychnin-Bonbon

© ÖVP

Polizei warnt Politiker vor weiteren Gift-Anschlägen

Ein Kuvert mit einem Liebesgruß, eine vergiftete Praline und ein Lokalpolitiker, der im Krankenhaus mit dem Tod ringt: Die Wachau wird derzeit von einem unglaublichen Kriminalfall erschüttert. Wie ÖSTERREICH berichtete, wurde der beliebte Bürgermeister von Spitz, Hannes Hirtzberger, Samstagvormittag Opfer eines heimtückischen Mordanschlags.

Der 52-jährige Rechtsanwalt war nach dem Genuss einer mit dem Rattengift Strychnin versetzten Praline vor dem Haus eines Bekannten zusammengebrochen. Er musste nach einem Herzstillstand von Helfern wiederbelebt werden. Derzeit liegt er auf der Intensivstation des Landesklinikum Krems im künstlichen Tiefschlaf. Der verantwortliche Arzt Primarius Reinhard Resch: „Er wird seit Samstag bei uns mit allen uns zu Verfügung stehenden Mitteln behandelt. Sein Zustand ist stabil.“

Polizei-Warnung
In Reaktion auf das Geschehen riet die NÖ Sicherheitsdirektion generell zu Vorsicht: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sollten bei Erhalt von verdächtigen Briefsendungen oder Geschenken diese nicht öffnen, sondern die zuständige Polizeiinspektion verständigen.

Strychnin ist eine hochgiftige Substanz, die im Nervensystem anregend wirkt und überdosiert zur Muskelstarre führt. Weitere Symptome sind schwere Krämpfe, Muskelzucken und Atemnot.

In der Natur kommt das Alkaloid nur im Samen der Brechnuss vor, isoliert wirkt das Gift schon in geringen Dosen (30–120 mg) tödlich und wird normalerweise als Rattengift verwendet. Obwohl in Alkohol löslich und über die Schleimhäute gut aufnehmbar, ist das Gift besonders auffällig: Strychnin zählt zu den bittersten Substanzen überhaupt und ist noch bei Verdünnungen zu 1:130.000 wahrnehmbar – was dem Bürgermeister wohl das Leben rettete. Als Gegenmittel werden Benzodiazepine verabreicht, die eine im Wesentlichen beruhigende Wirkung auf das Nervensystem ausüben.

Gefährliches Präsent
Das Drama nahm Freitagabend seinen Lauf. Nach der Gemeinderatssitzung fandHirtzberger ein Kuvert auf der Windschutzscheibe seines schwarzen Mercedes. Darin befanden sich eine Praline und eine gedruckte Grußbotschaft mit zwei Herzen und den Worten: „Wollte dir etwas Wichtiges sagen“. Der Satz: „Du bist etwas ganz Besonderes für mich“, prangte auf der Rückseite des hinterhältigen Geschenks. Am Samstag, gegen 8.30 Uhr, setzte sich der Bürgermeister dann ins Auto und fuhr in Richtung Krems zu seiner Kanzlei. Auf der idyllischen Donauuferstraße dürfte der Ortschef das präparierte Bonbon gegessen haben. Als die ersten Vergiftungs-Symptome einsetzten, reagierte er sofort. Mit letzter Kraft fuhr der Anwalt nach Unterloiben zu seinem Winzerfreund Emmerich Knoll. Vor dessen Haus fiel Hirtzberger aus dem Auto und stöhnte: „Hilfe, ich wurde vergiftet.“ Dann wurde er ohnmächtig, das Herz versagte.

Kampf ums Leben
Im Krankenhaus kämpften die Ärzte nach dessen Einlieferung stundenlang um Hirtz­bergers Leben. Noch in der Nacht zum Sonntag wurden Blutproben zur Untersuchung ins Austria-Research-Center Seibersdorf geschickt. Stunden später dann die Diagnose: Vergiftung durch Strychnin.

Die Gemeinde Spitz steht nach dem Anschlag unter Schock: Sonntag betete Pfarrer Josef Gugler bei der Messe mit den Gläubigen für die Genesung des beliebten Ortschefs. Niemand weiß, wie es weitergehen wird, denn die Nachrichten aus dem Spital klingen bedenklich. Primarius Reinhard Resch: „Es gibt zwar eine leichte Verbesserung des Gesundheitszustandes. Aber ich kann wirklich noch keine Prognosen abgeben.“

Entsetzen
Der Bruder des Anschlagsopfers, der bekannte Top-Winzer Franz Hirtzberger, kann den Mordversuch nicht fassen, Er habe nicht die geringste Idee, was hinter dem Attentat stecken könnte. Der Weinbauer eilte sofort aus Brüssel zurück in die Heimat, als er Nachricht von dem Verbrechen erhielt.

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