08. August 2009 07:52
Die Kremser Polizeibeamten, die am Mittwoch in den frühen Morgenstunden in
einem Merkur-Markt die für einen 14-jährigen mutmaßlichen Einbrecher
tödlichen Schüsse abgefeuert hatten, sind Freitagabend erstmals einvernommen
werden. Sie gaben an, von den Jugendlichen "angegriffen worden" zu
sein. Die Befragung war ihrem Anwalt zufolge schwierig. Immer wieder mussten
Pausen eingelegt werden. Dass die Beamtin einmal und ihr Kollege zweimal
gefeuert hatte, "könnte stimmen", hieß es am Samstag.
Wurden "überrascht"
Die als erfahren geltenden
Beamten sind laut Verteidiger bei dem Einbruch "überrascht"
worden. Nach der Alarmierung durch den "stillen Alarm" hatten sie
angenommen, dass niemand mehr im Supermarkt ist. Durch die beiden, plötzlich
in der Dunkelheit auftauchenden Gestalten hatten sie sich bedroht gefühlt.
Aussage gegen Aussage
Aufgrund der bisher bekanntgewordenen
Angaben der Kremser Polizisten steht nun Aussage gegen Aussage. Der bereits
zuvor im Landesklinikum Krems einvernommene 16-jährige R. hatte nämlich
erklärt, dass die Schüsse gefallen seien, als er und Florian P. (14)
flüchten hätten wollen. Der getötete Jugendliche wurde unterhalb des rechten
Schulterblattes getroffen, das Projektil ist im Bereich der rechten
Brustwarze ausgetreten, hatte die Staatsanwaltschaft Krems am Donnerstag zum
Obduktionsbericht mitgeteilt. Die Jugendlichen hatten bei dem Einbruch einen
Schraubenzieher und eine Gartenharke bei sich. Sie seien demnach "im
technischen Sinn" bewaffnet gewesen, nicht jedoch nach dem Waffengesetz.
Rumäne bestreitet Beteiligung
Am Freitagabend wurde außerdem
ein dritter Verdächtiger festgenommen worden. Bei dem mutmaßlichen Mittäter
handelt sich um einen 28-jährigen Rumänen aus dem Bezirk Krems. Nach
Polizeiangaben wurde er am Samstag einvernommen. Er habe in nach einem
Dolmetscher und einem Rechtsanwalt verlangt. Eine Beteiligung an dem
Einbruch in den Merkur-Markt bestreitet der Verdächtige laut Polizei. Er
habe mit der Tat nichts zu tun, so der Rumäne.
Bei der Polizei hatte es seit Donnerstag als weitgehend sicher gegolten,
dass es im Zusammenhang mit dem Merkur-Einbruch einen weiteren Verdächtigen
neben dem getöteten Florian Pirker und dem verletzten 16-Jährigen gibt, der
im Landesklinikum Krems nach zwei Oberschenkeldurchschüssen behandelt wird.
Als "vage" hat die Polizei am Samstag bezeichnet, dass es neben Florian P.,
dem 16-jährigen R. und dem Rumänen noch weitere Mittäter bei dem
Merkur-Einbruch gegeben haben könnte. Gerüchten, die in der
Lerchenfeld-Siedlung in Krems kursierten, würde jedenfalls nachgegangen.
Florians Bruder schlug zu
In die Schlägerei mit Körperverletzung
vom Donnerstagnachmittag vor dem Merkur-Markt ist jedenfalls Florians Bruder Kevin
involviert. Er hat offenbar einen Fotografen niedergeschlagen, der ins
Spital eingeliefert werden musste. Der Beschuldigte ist noch nicht
einvernommen worden. Das Opfer erlitt schwere Gesichtsblessuren und einen
Jochbeinbruch.