Rammbock-Bande vor Gericht

Wiener Neustadt

Rammbock-Bande vor Gericht

Gegen fünf Mitglieder einer "Rammbock-Bande" hat am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt ein Strafprozess begonnen. Das Quintett soll von 2011 bis 2013 in Niederösterreich und Wien mit Autos in Elektronikfachmärkte - im wahren Sinn des Wortes - gekracht sein und binnen weniger Minuten die Geschäfte ausgeräumt haben. Schaden: mehr als eine Million Euro.

Zehn Einbrüche

Zwölf Fachgeschäfte waren laut Anklage die Ziele der rumänischen Bande (ein sechster Angeklagter erschien am Dienstag nicht bei Gericht, deshalb wird das Verfahren gegen ihn später weiter verfolgt). Zehn Einbrüche sind in der Anklageschrift aufgelistet. Jedes Mal liefen die Coups nach dem selben Muster ab. Die Täter spionierten zuerst die Lage der Geschäftslokalitäten aus, dann schlugen sie nach Ladenschluss zu. Mit (zum Teil gestohlenen) Autos durchbrachen sie mit Vollgas die Notausgangstüren der Geschäfte, zerschlugen Vitrinen und "bedienten" sich an hochwertigen Elektronikwaren. Kaum ein Einbruch, bei dem die Beute nicht um die 100.000 Euro betrug.

Vor allem Handys, Notebooks, Kameras und Tablets ließen die Täter mitgehen. Die Geräte sollen entweder auf dem Schwarzmarkt oder an Second-Hand-Shops verkauft worden sein. Von den fünf Männern (im Alter von 28 bis 45 Jahren) bekannte sich nur einer schuldig, ihm wird die Teilnahme an lediglich einem Einbruch angelastet. Zwei Angeklagte bekannten sich teilweise schuldig, die restlichen zwei plädierten auf "nicht schuldig".

"Man hat meinen Mandanten zum lokalen Mafia-Paten hochstilisiert, dabei gibt es keinen einzigen Sachbeweis", empörte sich etwa Verteidiger Werner Tomanek. Auch der von Rudolf Mayer verteidigte Rumäne tat die gegen ihn existierenden Indizien als zu vage Kriterien für eine Verurteilung ab.

Nur auf "Durchreise"
Richterin Nina Morawetz musste viel Geduld aufbringen und sich zum Teil abenteuerliche Verantwortungen anhören: So wollen einige Angeklagte etwa auf Flohmärkten von unbekannten Männern angesprochen worden sein, um "schnelles Geld in Österreich" zu machen: "Ja, die schauen sich auf den Flohmärkten in unserer Stadt um und sehen gleich, wer arm ist. So funktioniert das bei uns", erklärte ein Rumäne. Wie sein Auftraggeber hieß, wollte er aber nicht wissen.

Ein anderer Beschuldigter will Österreich nur als "Durchreiseland" kennen, etwa wenn er Autos in Deutschland oder Frankreich abholen bzw. kaufen wollte, wie er erklärte. Dass man alle Angeklagten jedoch in der Nähe der Tatorte gesichtet hatte, taten die Männer als puren Zufall ab.

Der Prozess ist für zwei Tage anberaumt. Am 25. November kommen Zeugen zu Wort, auch ein Video-Gutachten zu den von Überwachungskameras geschossenen Bildern soll erörtert werden.
 

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