Schuldsprüche im Frequency-Prozess

Gefälschte Tickets

Schuldsprüche im Frequency-Prozess

Im Prozess um den Handel mit gefälschten Tickets beim diesjährigen Frequency-Festival im August in St. Pölten sind am Mittwochnachmittag am Landesgericht der NÖ Landeshauptstadt die Urteile gefallen. Der Schöffensenat fällte neun Schuldsprüche im Sinne der Anklage. Die Angeklagten - davon acht aus England - erhielten wegen Betrugs teilbedingte Haftstrafen zwischen 13 und 20 Monaten.

Strafe "abgesessen"
Die Urteile sind rechtskräftig. Alle Beschuldigten wurden enthaftet, sie haben die unbedingten Strafen durch die U-Haft "abgesessen". Ein zehnter Mann, der nicht vor Gericht erschienen war, werde abgesondert verfolgt, sagte Michaela Obenaus-Zimmel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Laut Anklage haben die Briten, von Beruf überwiegend Ticketverkäufer, und ein Österreicher eine Vielzahl von gefälschten Eintrittskarten in Umlauf gebracht, Staatsanwalt Günter Gößler sprach von Ticketverkäufen und Versuchen "in großem Stil". Nur zwei der Beschuldigten hatten sich schuldig bekannt. Die übrigen wollten nicht gewusst bzw. erkannt haben, dass es sich um Fälschungen handelte. Man kenne einander auch nur vom Sehen, hieß es in der Verhandlung.

Spontan angeworben
Einzig der - geständige - Österreicher war spontan bei der Sache dabei. Er war kurz vor Beginn des zu diesem Zeitpunkt bereits ausverkauften Festivals im Zug von Budapest nach Wien von zwei Engländern "angeworben" worden. Er sollte zehn Euro Provision pro verkauftem Ticket und inserierte im Internet. Er gab an, 86 Tickets an den Mann gebracht zu haben - zum Preis von 80, dann 50 Euro - der Eintritt kostete 134,60 Euro.

Der Erstangeklagte sagte aus, die Tickets selbst zum Preis von 50 Euro bezogen zu haben. Billige Preise würden in dem Geschäft vorkommen, meinte er. Hätte er von den Fälschungen gewusst, hätte er sie nicht gekauft. Nach der Festnahme der Verdächtigen stellte die Polizei u.a. in Schließfächern beim Bahnhof und in einem Hotel gefälschte Tickets sicher.

Straßenverkauf
Laut Polizeiangaben vom August war die Gruppe aufgefallen, weil Straßenverkauf von Tickets vom Veranstalter nicht vorgesehen war. Die Verdächtigen seien den Ermittlern zufolge bereits bei mehreren derartigen Events aufgetreten und hätten sich damit verantwortet, dass sie die Karten von Jugendlichen am Bahnhof zu einem Drittel des Preises erworben hätten. Dem habe aber die Tatsache widersprochen, dass die beschlagnahmten Karten durchgehende Seriennummern aufwiesen. Die Fälschungen waren auf Originalpapier gedruckt worden, woher es stammte, war damals noch unklar - und kam auch in der Verhandlung nicht zur Sprache.

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