Untersuchungshaft gegen Josef B. verhängt

Bluttat in Strasshof

Untersuchungshaft gegen Josef B. verhängt

Gegen den mutmaßlichen Vierfachmörder von Strasshof ist am Samstag am Landesgericht Korneuburg die Untersuchungshaft verhängt worden. Die Angaben wurden auch von einem der beiden Verteidiger des Tatverdächtigen, Werner Tomanek, bestätigt. In 14 Tagen habe eine neuerliche Haftprüfung stattzufinden.

Pläne bereits vor einem Jahr
Der mutmaßliche Vierfachmörder soll bereits vor einem Jahr Pläne für die Tat gehegt haben. Josef Branis war am Donnerstag im Waldviertel festgenommen worden. Laut Werner Tomanek, einem seiner Verteidiger, wollte Branis zunächst nur seine Schwester (63) und ihren Ehemann (67) töten. Sie sollen den 66-Jährigen als "Kinderschänder" bezeichnet haben, so der Jurist, was aber jeglicher Grundlage entbehrt habe.

Als "Kinderschänder" verleumdet
Im Mai, wenige Wochen vor der Tat, hätten auch die beiden weiteren späteren Opfer herum erzählt, dass der 66-Jährige ein Kinderschänder sei. Deshalb habe Branis seinen Bruder (65) und dessen Ehefrau (59) ebenfalls getötet. Tomanek meinte zudem, dass in der Wiener Wohnung, wo der mutmaßliche Täter lebte und die seiner Schwester gehörte, der Mietpreis ständig erhöht worden sei. Einen Tag vor den tödlichen Schüssen sei es zu einer Wohnungsrückstellung an die Schwester gekommen.

Experten prüfen Zurechnungsfähigkeit
Dem Verteidiger zufolge sind jetzt die Gutachter am Wort. Es ist der Frage nachzugehen, inwieweit der Verdächtige zurechnungsfähig ist.

Josef Branis soll am 1. Juli in Strasshof (Bezirk Gänserndorf) vier Verwandte getötet haben. Nach der Bluttat entkam der Mann, bei seiner Flucht hielt er sich in Tschechien und der Slowakei auf. Vor einigen Tagen kehrte er nach Österreich zurück. Der Tatverdächtige wurde nach Hinweisen aus der Bevölkerung am Donnerstag auf einem Campingplatz beim Stausee Ottenstein im Waldviertel festgenommen. Der 66-Jährige zeigte sich geständig. Er wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Protokoll der Einvernahme



Das sind die ersten Worte des mutmaßlichen Vierfachmörders nach seiner Verhaftung, die ÖSTERREICH nun vorliegen. Wie ÖSTERREICH bereits berichtete, wirkte Josef Branis (66) bei seiner Festnahme am Donnerstag erschöpft und gleichzeitig erleichtert. Im ersten Polizeiprotokoll erklärt er jetzt den Ermittlern, wie er die Tat plante, warum seine Schwester Anna J. (63), deren Ehemann Johann (67), sein Bruder Franz (65) und dessen Gattin Viera (59) sterben mussten. Als Rechtsbeistand hat sich Branis die beiden Wiener Top-Anwälte Werner Tomanek und Fritzl-Verteidiger Rudolf Mayer zur Seite gestellt.

Das Protokoll der Einvernahme:

Er möchte die Schwester als ­„Jauchengrube“ bezeichnen:
„Meine Schwester Anna hat mir vor eineinhalb Jahren im 19. Wiener Gemeindebezirk eine Wohnung zu Verfügung gestellt. Zuerst hat sie gesagt, dass ich als ihr Bruder dort gratis wohnen dürfe. Das Mietverhältnis war auf fünf Jahre befristet. Doch als ich dort eingezogen bin, verlangte Anna plötzlich, dass ich Zins zu zahlen habe, und hat diesen dann auch ­immer wieder erhöht.

Es folgte eine Gerichtsverhandlung, die zugunsten von Anna ausging. Der Hass war freilich groß, speziell gegenüber der Anna, die ich hier ausdrücklich als „Jauchengrube“ bezeichnen möchte.

Sie bezeichneten mich als Kinderschänder:
Als sie und ihr Mann Johann mich vor rund einem Jahr dann noch als Kinderschänder hinstellten, obwohl es dafür keinerlei Anhaltspunkt gibt, habe ich den Entschluss gefasst, sie und ihren Mann Johann zu töten.

Habe vor 20 Jahren Waffe im Wald vergraben:
Vor etwa 20 Jahren habe ich mir einmal eine Pistole gekauft, die ich in einem Waldstück vergraben habe. Im April 2008 habe ich die Waffe schließlich ausgegraben. Zuvor habe ich Geld für die Flucht nach der Tat gespart. Als dann im Mai auch noch mein Bruder Franz und seine Frau Viera damit anfingen, dass ich ein Kinderschänder sei, war ab diesem Zeitpunkt klar, dass ich auch diese beiden ermorden werde.

Nahm Perücke und Reisepass mit:
Am 2. Juli bin ich um 5.30 Uhr aufgestanden, steckte mir in eine Bauchtasche 6.000 Euro, den Reisepass und die Waffe. Ich nahm zwei Perücken sowie einen Pullover mit. Dann bin ich mit der Schnellbahn nach Strasshof gefahren.

Dort schlich ich mich in das Haus meiner Schwester. Als ich ihren Mann ­Johann im Schaukelstuhl sitzen saß, habe ich zu ihm gesagt: „Hurra, der Kinderschänder ist da.“ Als er sah, dass ich eine Waffe habe, wollte er mir diese wegnehmen. Ich schoss auf ihn. Er ging zu Boden.

Dann habe ich einmal abgedrückt:
Im Keller war meine Schwester Anna. Ich gab an, dass ich ihr jetzt den Schlüssel zur Wiener Wohnung übergeben werde und sagte: „Der wird dir aber kein Glück bringen!“ Sie meinte darauf: „Des ist eh schon wurscht!“ Dann habe ich einmal abgedrückt, und als sie zu Boden ging, gleich noch zweimal. Dann fuhr ich zum Haus meines Bruders und habe ihn und seine Frau getötet. Im Keller habe ich mir eine andere Hose angezogen, weil diese voller Blut war.

Dann bin ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof und später mit dem Zug nach Bratis­lava gefahren. Erst dort habe ich gemerkt, dass auch mein T-Shirt Blutflecken hatte.

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