Arigona – der Amtsarzt ist ihre letzte Hoffnung

ÖSTERREICH-Besuch

© TZ Oesterreich Fuhrich Roman

Arigona – der Amtsarzt ist ihre letzte Hoffnung

Sie versucht zu lächeln, aber es gelingt nicht so richtig. Die Schatten unter den Augen sind mühsam überschminkt, sie hat auch einige Kilogramm abgenommen. Eigentlich wollte Arigona nicht reden, nicht jammern, weil ihr Menschen zu verstehen gegeben haben, dass sie nun still sein soll. Für ÖSTERREICH macht sie eine Ausnahme, gibt nach vielen Monaten wieder ein Interview, das erste seit Mitte Dezember. Damals verkündete Innenminister Platter, dass die 16-Jährige mit Ende des Schuljahres abgeschoben wird – in drei Wochen also. „Es dauert alles schon so lange“, sagt Arigona. „Ich möchte einfach nur meine Geschwister wieder sehen!“

„Ich will bleiben“
Arigona zeigt als Erstes die aktuelle Ausgabe eines Wochenblattes her, in dem von üblen Tricks die Rede ist, mit denen die Schülerin das „Gesetz umgehen“ will um länger in Österreich bleiben zu können. „Das stimmt doch alles gar nicht“. „Ich wollte gar nicht so oft in der Zeitung stehen und im Fernsehen sein. Ich will doch nur hier in Österreich bleiben dürfen.“

Arigona und ihre Mutter mussten mittlerweile das baufällige Haus, in dem sie in Frankenburg wohnten, verlassen. Sie sind in ein kleines Gebäude umgezogen („ein Schloss“, sagen die Neider). Arigona bewohnt dort zusammen mit ihrer Mutter eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Klo am Gang. Im Wohn-Schlafzimmer steht ein Computer, über den sie jeden Tag mit dem abgeschobenen Teil der Familie im Kosovo chatten.

Gutes Ende
Gibt es doch ein Happy End? Manches deutet darauf hin. Ein neues Gutachten besagt, dass eine Abschiebung undenkbar ist. Arigonas Mutter, Nurie, ist krank, transportunfähig. Kann sie nicht abgeschoben werden – was der Amtsarzt am Donnerstag untersuchte (Ergebnis steht noch aus) – dann kann auch Arigona bleiben.

Das Interview mit Arigona:

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Arigona beim Besuch. (c) TZ Oesterreich Fuhrich Roman

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen jetzt?

Arigona: Nicht so gut. Jetzt bin ich schon neun Monate ohne meine Familie. Mein größter Wunsch ist, meine Geschwister wieder zu sehen. Mein kleiner Bruder Albin ist oft krank. Mein Vater ist verschwunden, niemand weiß wo er ist.

ÖSTERREICH: Der 4. Juli – das Datum Ihrer Abschiebung rückt näher …

Arigona: Ich habe Angst, dass man mich direkt von der Schule wegholt, vor allen meinen Freundinnen.

ÖSTERREICH: Werden Sie mitgehen, wenn man Sie holt?

Arigona: Ich habe doch keine andere Möglichkeit, wenn die Polizei plötzlich dasteht. Aber ich würde viel lieber hier bleiben.

ÖSTERREICH: Warum?

Arigona: Alle meine Freunde sind hier. Natürlich kann ich auch im Kosovo leben, aber unter viel schlechteren Umständen.

ÖSTERREICH: Was ist so schlecht am Kosovo? Der Krieg ist lang vorbei, jetzt ist er sogar unabhängig.

Arigona: Von meinem Vater weiß ich, dass es dort keine Arbeit gibt. Das ändert sich nicht so bald. Der Kosovo war immer ein armes Land.

ÖSTERREICH: Viele Promis setzen sich für Sie ein: Alfons Haider, Barbara Prammer. Sollte Minister Platter nachgeben und Sie hierbleiben lassen: Was sind Ihre Pläne?

Arigona: Ich möchte eine Lehre machen, am liebsten Friseurin. Meine Familie ist ja nicht nach Österreich geflüchtet, damit man uns etwas schenkt.

ÖSTERREICH: Was denken Sie darüber, dass viele Menschen Sie lieber im Kosovo sehen würden?

Arigona: Ich verstehe das nicht. Ich liebe Österreich. Ich fiebere mit dem Nationalteam mit. Meine Familie nimmt doch niemandem etwas weg. Wir wollten nur die gleichen Chancen wie andere. Ich kann nichts dafür, dass ich im Kosovo geboren wurde.

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