Frauengruppe erntet Bravo- und Buhrufe

Glöcklerlauf

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Frauengruppe erntet Bravo- und Buhrufe

Die Frauen, die am Dienstag am traditionell männerdominierten Glöcklerlauf in Ebensee am Traunsee teilgenommen haben, ernteten sowohl Bravo- als auch Buhrufe. Die weibliche Beteiligung hatte im Vorfeld für Proteste und ein großes Medieninteresse gesorgt. "Es dürfte einen neuen Besucherrekord gegeben haben", sagte Kultur- und Sportreferent Martin Derfler. Das alte Brauchtum findet in zahlreichen Salzkammergut-Gemeinden alljährlich am Abend vor Dreikönig statt.

"Uns dreht sich der Kopf vor lauter Rummel", erklärte die Gruppe von Frauen, die heuer in die Männerdomäne drängte, kurz vor dem Lauf. Als sie nach Einbruch der Dunkelheit mit den Männern im Ortszentrum eintrafen, ernteten sie auf der einen Seite demonstrativen Applaus, auf der anderen hagelte es Pfiffe. Die Glöcklerinnen waren am Venussymbol auf ihren Kappen leicht zu erkennen, ihre Kopfbedeckungen zierten Bezeichnungen wie "Weberinnen", "Ebenseer Kreuzstich" und "Schlafende Griechin" (ein nahe gelegener Berg, Anm.).

Protestmaßnahmen
In den vergangenen Tagen hatte die Mehrzahl der männlichen Glöckler erklärt, dass sie als Boykott-Maßnahme heuer nicht mehr bis vor das Marktgemeindeamt laufen und dort ihre Kreise ziehen, sondern rund 200 Meter vorher im Ortszentrum stoppen werden. Einige wenige solidarisierten sich aber mit den Glöcklerinnen und begleiteten sie auf der traditionellen Route. "Die sind eh fit, die Damen", meinte ein junger Teilnehmer.

Das Frauenforum Salzkammergut hatte sich mit dem Projekt "D'Lambatalerinnen" um Mittel aus dem Innovationstopf des Landes Oberösterreich beworben und die Jury überzeugt. Dass der Verein eine Förderung bekommen hat, sorgte für gehörigen Protest. Derfler betonte, dass die Gemeinde niemandem die Teilnahme am Lauf verbieten könne und wolle. Man werde auch in Zukunft voll hinter den Glöcklern stehen und sie finanziell und organisatorisch unterstützen. Im Februar soll es ein Gespräch mit allen Beteiligten über den Glöcklerlauf 2011 geben. Die Frauen wollen jedenfalls auch im kommenden Jahr an dem Brauchtum teilnehmen.

Glöcklerkrapfen
Die Läufe der Glöckler, die in "Passen" genannten Gruppen organisiert sind, dienten einst zur Abwehr von bösen Geistern. Die Teilnehmer tragen weiße Gewänder und auf dem Kopf große Kappen. Diese bestehen aus einem Gerüst aus Holzstäben, das mit buntem transparentem Papier überzogen wird. Im Inneren der Kopfbedeckung werden Kerzen entzündet, die sie wie ein beleuchtetes Kirchenfenster aussehen lassen.

Am 5. Jänner laufen die Passen ab Beginn der Dunkelheit zuerst im Ortszentrum und dann durch die Siedlungen. Dort besuchen sie Haus um Haus und überbringen den Bewohnern den Neujahrsgruß. Als Dank für die Mühe gibt es sogenannte Glöcklerkrapfen, Kekse, Tee, Punsch oder auch eine Geldspende - den "Glöcklerkreuzer" -, der den Begleitern der Gruppen zugesteckt wird.

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