Helmut Frodl kommt bedingt frei

Nach 17 Jahren Haft

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Helmut Frodl kommt bedingt frei

Helmut Frodl, der 1993 wegen Mordes an einem Wiener Tonstudio-Besitzer zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, kommt auf Bewährung frei. Das hat das Vollzugsgericht Steyr am Donnerstag entschieden. Frodl durfte am Donnerstag noch nicht in Freiheit. Für den heute 51-Jährigen, der hinter Gittern Theologie studiert hat, werden sich am 14. Juni die Gefängnistore öffnen.

Frodl wurden eine Reihe von Weisungen auferlegt: Er muss sich eine Wohnung suchen, einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen sowie seine Psychotherapie, die er bereits in der Haft begonnen hat, fortsetzen. Das Gericht ordnete außerdem Bewährungshilfe und eine Probezeit von zehn Jahren an.

Brutale Tat
Der ehemalige ORF-Moderator war verantwortlich für einen der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngsten österreichischen Geschichte: Am 21. Mai 1992 wurde der Wiener Tonstudiobesitzer Gerhard S. (Name von der Redaktion geändert) in einer Budapester Wohnung erst betäubt, anschließend mit gezielten Kopfschüssen getötet und mit einem elektrischen Fuchsschwanz in 17 Teile zerteilt.

Die sterblichen Überreste des 46-Jährigen wurden in ein Dutzend Müllcontainern der ungarischen Hauptstadt entsorgt. Nach vierwöchiger Fahndung stand für die Ermittler fest: Helmut Frodl, bekannter und schillernder ORF-Mitarbeiter („Jolly Joker“, „Okay“) war Haupttäter und Initiator des Verbrechens. Grund für die Tat: Finanzielle Schwierigkeiten und die Rivalität zu Gerhard S. Die Geschworenen waren sich im Dezember 1993 einig und verurteilten Frodl einstimmig zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Frodl spricht vor Gericht
Seither kämpfte der mittlerweile 51-Jährige geläutert um seine vorzeitige Haftentlassung. Auch das psychiatrische Gutachten dürfte dem ehemaligen Publikumsliebling entgegenkommen sein: Renommierte Gutachter, darunter Gerhard Kette und Reinhard Haller, halten Frodl nach 17-jähriger Haft offenbar für „ungefährlich“.

Schlohweißes Haar, hagerer Körper
Nicht nur äußerlich dürfte sich Frodl verändert haben: Mithäftlinge beschreiben ihn als hageren Mann mit schlohweißem Haar. Auch innerlich gibt er sich geläutert: Während seiner Haft in der Justizanstalt Garsten fiel er laut Anstaltsleitung nie negativ auf, im Gegenteil: Er habe in der Gefängnisbibliothek gearbeitet, mit der Theatergruppe Stücke aufgeführt, sogar eigene geschrieben. Zur „Resozialisierung“ habe Frodl bei „Freigängen“ das Gefängnis immer wieder verlassen.

Weg zum Glauben
Zugleich wandte sich der Ex-Filmproduzent der Religion zu: Im Juni 2007 erlangte er an der Linzer Katholisch-Theologischen Fakultät den Magistertitel. Thema seiner mit eins benoteten Abschlussarbeit: „Der Wandel der Arbeit, analysiert anhand von kirchlichen Texten.“ Derzeit arbeitet Frodl gar an seiner Dissertation, die noch im heurigen Sommer fertig sein soll.
Ein Wunsch blieb ihm allerdings verwehrt: Nach der Haftentlassung wird er nicht in das oberösterreichische Stift Kremsmünster ziehen dürfen. Die dortigen Padres lehnten dies strikt ab. „Das ist nicht sinnvoll und würde ihm nicht helfen“, so Pater Bernhard Eckerstorfer.

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