Ein Jahr Geiselhaft

© ÖSTERREICH/ Leitner

"Lasst endlich meinen Sohn frei!"

ÖSTERREICH: Genau vor einem Jahr wurde Ihr Sohn im Irak entführt. Wie geht es Ihnen zum traurigen Jubiläum?
Maria Nussbaumer: Nicht gut. Natürlich belastet mich der Jahrestag sehr, da kommen alle Erinnerungen an die Entführung wieder hoch. Ich weiß auch nicht mehr, was ich jetzt noch glauben soll nach den Berichten der letzten Zeit.

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Bert Nussbaumer/ (C) ÖSTERREiCH/ Leitner

ÖSTERREICH: Und was sagt Ihnen Ihr Gefühl als Mutter?
Maria: Dass er irgendwann wieder nach Hause kommt. Diese Hoffnung ist mein Halt. Nur wann? Ich habe viele schlaflose Nächte verbracht. Im Moment fühle ich mich sehr traurig, weil es keine Nachricht von Bert gibt. Dass man nicht anrufen und fragen kann: Wie geht es dir? Was machst du? Diese Ungewissheit ist kaum zu ertragen.
Franz Nussbaumer: Die erste Erleichterung war das Video im Jänner. Da hatten wir etwas in der Hand. Aber jetzt frage ich mich, was die Entführer wollen. Wenn Sie Bert umbringen wollten, hätten sie das doch beim Überfall getan und kein Video aufgenommen.
ÖSTERREICH: Wenn Sie die Gelegenheit hätten, was würden Sie den Entführern sagen?
Maria: Lasst endlich meinen Sohn frei. Und natürlich auch die anderen Geiseln. Wisst ihr, was ihr den Familien antut? Wisst ihr, was wir durchmachen?
ÖSTERREICH: Wie werden Sie den Jahrestag verbringen?
Maria: Ich weiß es noch nicht. Ich habe mir freigenommen. Vielleicht liege ich den ganzen Tag im Bett und lese. Oder ich weine den halben Tag. Ich kann es wirklich noch nicht sagen.
ÖSTERREICH: Was werden Sie machen, wenn er wieder nach Hause kommt?
Maria: Ich habe oft versucht, es mir auszumalen. Aber Hauptsache ist doch: Er ist wieder bei mir.
Franz: Auf ein Bier werde ich mit ihm gehen.
ÖSTERREICH: Ist für seine Rückkehr alles vorbereitet?
Maria: Sein Zimmer sieht noch so aus wie vor seiner Abreise und sein Bett ist ständig überzogen.
ÖSTERREICH: Wie ist Bert ursprünglich auf die Idee mit dem Irak gekommen?
Franz: Er hatte schon lange vor, im privaten Sicherheitsbereich zu arbeiten. Der Irak hat sich ergeben, weil es dort viele Sicherheitsfirmen gibt.
ÖSTERREICH: Hätten Sie ihn davon abbringen können?
Maria: Nein, er ist ein erwachsener Mann. Aber natürlich war ich nicht begeistert.
ÖSTERREICH: Wann hatten Sie zuletzt Kontakt mit Bert?
Maria: Etwa eine Woche vor seiner Entführung haben wir das letzte Mal telefoniert. Als ich dann nichts von ihm hörte, wollte ich ihn anrufen. Aber da kam mir die Meldung im Radio zuvor.
ÖSTERREICH: Sie haben aus dem Radio von seiner Entführung erfahren?
Maria: Ich habe wie jeden Tag den Radio eingeschaltet. Die erste Meldung war, dass ein Österreicher im Irak entführt wurde. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch gebetet: Lass es bloß nicht Bert sein.
Franz: Gegen Mittag wurde zum ersten Mal die betroffene Firma genannt. Ich habe unten angerufen und man bestätigte mir, dass mein Bruder entführt wurde.
Maria: Dann hat er’s mir gesagt, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Und eigentlich geht es mir bis heute so.

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