Missbrauchsvorwürfe gegen Stift Kremsmünster

Zivilprozess vertagt

Missbrauchsvorwürfe gegen Stift Kremsmünster

Ehemalige Zöglinge und Missbrauchsopfer des oberösterreichischen Stiftsinternats Kremsmünster und Vertreter der Ordensgemeinschaft hätten am Mittwoch erstmals im Gerichtssaal aufeinandertreffen sollen. Abt Ambros Ebhart ließ sich allerdings wegen einer Kapitelsitzung entschuldigen. Der Richter vertagte daraufhin die Verhandlung, bei der es um Forderungen in der Höhe von 20.000 Euro geht, auf 11. März. Dann sollen Kläger, Beklagte sowie Zeugen vernommen werden.

Zwei frühere Klosterschüler haben eine Zivilklage gegen das Stift eingebracht, weil sie der Ansicht sind, dass Zusagen, die der Abt und der Prior im Jänner 2012 vor mehreren Geschädigten gemacht haben sollen, nicht eingehalten worden seien. Konkret geht es um eine Entschuldigung samt Eingeständnis der Mitwisserschaft - zuerst an die Opfer per Brief, dann öffentlich-, die Errichtung eines Mahnmals auf dem Klostergelände, die Aufarbeitung der Missbrauchs- und Gewaltfälle des "Systems Kremsmünster" durch externe Experten sowie einen eigenen Opferfonds. Das Stift hatte zuletzt betonte, dass es keine Zusagen gegeben habe.

Noch offen ist, ob der mutmaßlichen Haupttäter der Missbrauchsaffäre angeklagt wird. Ihm wird vorgeworfen, Schüler des Stiftsinternats massiv sexuell missbraucht und misshandelt zu haben. Bei der Staatsanwaltschaft Steyr wird die Entscheidung für Februar erwartet.

Die Anklagebehörde hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe vor rund zwei Jahren gegen drei Geistliche Ermittlungen aufgenommen. Zwei Verfahren wurden wegen Verjährung eingestellt. Gegen acht weitere Personen - darunter drei weltliche Lehrer - gab es Vorwürfe wegen körperlicher oder seelischer Gewalt. Sie wurden aber entweder als strafrechtlich nicht relevant eingestuft oder waren ebenfalls verjährt. Abt Ambros Ebhart enthob fünf Ordensleute ihrer Ämter. Er entschuldigte sich bei den Opfern, von denen sich 45 bei der Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt meldeten. Die Betroffenen verlangen jedoch zusätzlich ein Eingeständnis, von den Vorfällen bereits seit Jahren gewusst zu haben. Das Stift zahlte Entschädigungen, Beträge wurden bisher jedoch nicht genannt, sondern lediglich auf die Sätze der Klasnic-Kommission verwiesen.

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