So wurde Nussbaumers Befreiung verpfuscht

Irak-Geiseln

 

So wurde Nussbaumers Befreiung verpfuscht

Gerade war Maria Nussbaumer, Mutter des seit 16. November 2006 im Irak entführten österreichischen Security-Guards Bert (26), wieder ein wenig optimistischer gewesen: Mit Sohn Franz an der Seite traf sie bei ihrer Reise in die Midwest-Metropole Minneapolis die Hinterbliebenen der vier getöteten Kollegen vom Sicherheitsdienst Crescent Security. Gerade hatte sie die Information bekommen, dass es sich bei einer dritten Leiche, die in der Dover Airforce Base mittels DNA-Tests identifiziert wurde, doch nicht um Bert handelt.

Lesen Sie hier das Interview mit Nussbaumers Mutter!

  • 19 Uhr. Die dramatische Todesnachricht erreicht Familie Nussbaumer

Doch kurz vor 19 Uhr Ortszeit läutete das Handy von Franz im Hotel Travel Lodge nahe des Airports. Der Anrufer aus dem österreichischen Außenamt kam rasch zur Sache: „Bert Nussbaumer ist tot.“ Das FBI hätte die Leiche identifiziert.

  • Skandalöse Details. Die Vorwürfe gegen das FBI und die Bundesregierung

Bruder Franz konnte bei einem ersten kurzen Telefonat mit ÖSTERREICH die grauenhafte Nachricht bestätigen: „Es ist gerade sehr schwer“, sagte er. Am gleichen Tag hatte die Familie brisante und skandalöse Details darüber erfahren, wie das FBI Chancen zur Befreiung der Geiseln mehrmals vermasselt habe.

Es gibt aber auch erstmals Vorwürfe gegen die österreichische Task Force, die 16 Monate lange versichert hat, sich intensiv um die Freilassung Nussbaumers zu bemühen. Drei Stunden sei im März des Vorjahres der Helfer der US-Familien Mark Koscielski, der samt seiner Website zur Drehscheibe neuer Infos in der Tragödie wurde, mit einem Mitarbeiter der österreichischen Botschaft in Kuwait zusammengesessen. „Ich habe ihnen alle meine Infos gegeben“, sagt Koscielski (siehe Interview). Doch er sei von Österreich danach niemals kontaktiert worden.

  • Pannenserie. Befreiung schon kurz nach Entführung vermasselt

Laut ÖSTERREICH vorliegenden Dokumenten beginnt die unglaubliche Pannenserie bereits an Tag eins des Geiseldramas – und hätte schon an diesem Tag beendet sein können. Die Aktion beginnt vergleichsweise harmlos und dürfte ursprünglich eine Racheaktion der Iraker an der Securityfirma Crescent, dem Arbeitgeber von Nussbaumer und seinen vier US-Kollegen, gewesen sein. Crescent hätte sich nicht an die Regeln gehalten, sprich: zu wenig Schmiergeld bezahlt. An der Entführung beteiligt: drei übergelaufene Ex-Mitarbeiter der Firma und offensichtlich auch Polizisten. Denn Nussbaumer wird mit seinen Kameraden erst zur Polizeistation von Basra gebracht. „Wir haben eure Jungs“, sagen die Entführer zu den Polizisten. Sie verlangen erst 100.000 Dollar von Crescent – ein plumper Erpressungsversuch. Crescent informiert umgehend die britischen Besatzer, die sofort die Polizeistation stürmten.

Sehen Sie hier exklusiv die Bilder: Das sind Nussbaumers Entführer.

  • Forderung nach Lösegeld. USA erfüllen die Zahlung nicht

Die Geiselnehmer werden aber offenbar vorgewarnt: Nur wenige Minuten vor dem Eintreffen der Briten machen sie sich mit den fünf Geiseln davon. Ein weiterer Informant hätte den US-Behörden in Bagdad mitgeteilt, dass er den exakten Ort, wo die Geiseln festgehalten würden, kenne. Er forderte als Gegenleistung die Ausreise mit seiner Familie, da wegen des „Verrats“ sein Leben in Gefahr sei. „Die haben ihn einfach ignoriert“, sagt Koscielski.

Der Murks gipfelt in einem wahren Drama: „V-Leute“ ­legen Ende Dezember 2006 und Anfang Jänner 2007 ­Videos der fünf Geiseln vor, was einer Kontaktaufnahme gleichkommt. Die eher geringe Lösegeldforderung von 150.000 Dollar wird partout nicht erfüllt.

Ein Spezialist mit exzellenten Kontakten im Südirak bot per E-Mails, die ÖSTERREICH vorliegen, einen konkreten Plan des Geld-gegen-Geisel-Austausches an: Demnach hätte Koscielski, der die Summe durch Privatspenden fast zusammen hatte, 2.500 Dollar zunächst an Informanten zahlen sollen. Doch die US-Behörden verwehrten Koscielskis Helfer die Einreisebewilligung in den Irak. Erst in den letzten Tagen hatte sich der Überbringer des ersten Videos bitter beklagt: „Niemand wollte mit uns richtig verhandeln.“

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