02. August 2009 22:08
Flughafen Graz-Thalerhof, vergangenen Dienstag, 15.21 Uhr: Ein halbes
Dutzend Sanitäter, Notärzte, ein Rettungswagen des Roten Kreuzes und ein
ÖAMTC-Notarzt-Hubschrauber gehen am Rollfeld in Stellung. Es herrscht
Anspannung und Nervosität. Jede Minute erwarten sie die Landung eines
Urlaubsfliegers aus Ibiza.
Und sie rechnen mit dem Schlimmsten. Denn während des Fluges von der
Party-Metropole über Mallorca mit dem Zielflughafen Linz hatte sich an Bord
ein Drama abgespielt. Mitten im Flug meldete sich eine 23-jährige
Oberösterreicherin bei der Stewardess. „Mir ist so übel ...“ Die Frau klagt
über starke Kreislaufbeschwerden, fühlt sich schlapp. Bei den anderen
Passagieren kommt kurz Hektik auf: „Reist hier ein Schweinegrippe-Opfer
mit?“, fragen sie sich.
Der ÖAMTC-Hubschrauber fliegt die Kranke ins Spital
Doch die
geschulten Stewardessen erkennen bald: Kein Schweinegrippe-Alarm. Die
Symptome bei der jungen Frau sind anders als beim H1N1-Virus. Sie
informieren den Piloten über den Notfall. Er handelt rasch. „Kurz nach 15
Uhr hat der Pilot per Funk einen Notarzt angefordert“, sagt
Flughafen-Graz-Direktor Gerhard Widmann (rechts).
Die Maschine landet. Die Urlauberin wird aus dem Flieger in den Notarztwagen
gelegt und untersucht. Der Notarzt entscheidet sofort: Ihr Zustand ist
ernst, Weitertransport ins Krankenhaus. Mit dem ÖAMTC-Hubschrauber geht es
ins Landeskrankenhaus Graz- West. Der stellvertretende Ärztliche Direktor,
Gerald Geyer, sagt zu ÖSTERREICH: „Die Patientin ist gleich auf die
Intensivstation gebracht worden. Wir haben Kreislauf stabilisierende
Maßnahmen eingeleitet. Es wurden Labortests, Ultraschall und Röntgen
durchgeführt.“
Todesursache: Bakterielle Sepsis, Abwehrschwäche
Bald
stellen die Ärzte jedoch fest: Es handelt sich um ein Multiorganversagen –
ausgelöst durch eine schwere Infektion und eine Abwehrschwäche. Die
Patientin hat keine Chance. Sechs Stunden nach der Landung stirbt sie.
Todesursache: Bakterielle Sepsis. Laut den Ärzten können Influenza,
Schweinegrippe oder virale Erkrankungen völlig ausgeschlossen werden. Die
Eltern, die noch am Nachmittag mit dem Auto nach Graz eilen, stehen unter
Schock.
Erst im Nachhinein lässt sich das wahre Ausmaß der Tragödie rekonstruieren.
Geyer: „Wahrscheinlich hat sich die junge Frau eine Mikroverletzung
zugezogen. Eine kleine Schnittverletzung, die sie gar nicht gemerkt haben
muss. Dadurch sind die Bakterien auch in ihr Blut gelangt.“
Die Frau hat sich die Verletzungen wohl am Strand zugezogen, sich etwa mit
einem Stein geschnitten. Geyer: „Die Frau war chronisch krank. Deshalb hat
sie auch eine starke Abwehrschwäche entwickelt. Und das führte in
Kombination mit der Infektion zum schnellen Tod.“