Vater will per Plakat Kontakt zu Kindern aufnehmen Vater will per Plakat Kontakt zu Kindern aufnehmen

Aktionismus

 

© Schwarzl / TZ Österreich

Vater will per Plakat Kontakt zu Kindern aufnehmen

Das hat es in der langen Liste an schwierigen Scheidungen und unglücklichen Kindern noch nie gegeben. Ein Linzer Friseur, Gert Bachmayr, wollte nicht länger hinnehmen, dass ihm seine Kinder verwehrt werden, und plakatierte deshalb in der ganzen Stadt Bittgesuche. Just vor der Schule seiner beiden Kinder (11 und 14 Jahre), die er zuletzt vor drei Jahren gesehen hat, hängt nun der Papa – überlebensgroß mit den Worten „Ich bin ein Vater. Und ich will meine Kinder sehen.“ Diese Plakate sind seit zwei Tagen Stadtgespräch Nr. 1 in Linz.

plakat-vater

Vater Bachmayr argumentiert, dass ihm seine Ex-Frau Martina Stelzmüller, von der er 2005 einvernehmlich geschieden wurde, keine Wahl gelassen hätte. Dabei ist sogar ein Besuchsrecht vertraglich vereinbart, doch seit drei Jahren gibt es diese Besuche nicht mehr. Sehr seltsam aber ist, dass sogar seine Kinder selbst sagen, dass sie ihren Vater nicht mehr sehen wollen. Sie seien nämlich von ihm enttäuscht, weil er die Familie verlassen habe.

Warum also zieht der Linzer alle Register? „Ich verstehe, dass meine Kinder mich derzeit nicht sehen wollen, weil sie seit drei Jahren von meiner Ex-Frau beeinflusst werden. Doch ich muss ihnen sagen, dass ich sie lieb habe“, versucht Bachmayr zu erklären.

Die neue Frau
Begonnen hatten die Besuche ganz normal, vereinbart war ein Wochenende, alle 14 Tage. Doch dann trat eine neue Frau in Bachmayrs Leben. „In dem Moment, als Martina davon Wind bekommen hat, hat sie mir die Kinder entzogen. Plötzlich kam an den ausgemachten Wochenenden immer etwas dazwischen, oder sie waren auf einmal doch nicht mehr zu Hause, als ich sie abholen wollte“, ortet der Vater Eifersucht. Ein Gefühl, das er auch noch aus der Zeit ihrer gemeinsamen Ehe kannte: Denn auch wenn die Scheidung selbst einvernehmlich war, führten doch wechselseitige Affären zur endgültigen Zerrüttung.

Eskalation
Dass die Beziehung der Eltern mit der jetzt eskalierten Situation zu tun haben könnte, glaubt Günther Klepp, Anwalt von Mutter Stelzmüller, nicht. „Schwachsinn, die Mutter war und ist immer bereit, eine Verbindung herzustellen. Andererseits ist der Wunsch der Kinder zu akzeptieren. Sie sind enttäuscht und wollen den Vater nicht sehen“, schildert Klepp und ergänzt, dass auch ein Verfahren wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen bis vor kurzem gelaufen war. „Vielleicht auch ein Grund für die Kinder.“ Die Plakataktion ärgert Klepp: „Das hat ganz sicher nicht zu einer Deeskalation beigetragen.“

Kämpfen
Dass es eine Deeskalation geben wird, glaubt auch Bachmayr nicht, doch dem verzweifelten Vater ist das mittlerweile egal. Denn er will weiter für das Recht auf seine Kinder kämpfen.

Gert Bachmayr ließ Plakate aufhängen, um auf seine Ohnmacht aufmerksam zu machen.

ÖSTERREICH: Sie haben 15 großformatige Plakate in Linz aufhängen lassen, auf denen Sie um ein Besuchsrecht bei Ihren Kindern bitten. Wieso diese Aktion?

Gert Bachmayr: Es war die einzige Möglichkeit, meinen Kindern zu erklären, dass ich sie liebe und gerne sehen möchte.

ÖSTERREICH: Aber es gibt doch ein geregeltes Besuchsrecht aus dem Scheidungsvertrag, oder?

Bachmayr: Ja, aber das wurde nicht eingehalten, ich habe meine Kinder zum letzten Mal vor drei Jahren gesehen, weil meine Ex-Frau das nicht mehr will.

ÖSTERREICH: Scheinbar ist es aber auch so, dass Ihre Kinder Sie gar nicht sehen wollen.

Bachmayr: Ja, ich weiß. Nur wenn ein Elternteil den Kindern einredet, dass ich an der Trennung schuld bin und ich keine Gelegenheit habe, etwas entgegenzusetzen, dann kommt es zu solchen Gefühlen.

ÖSTERREICH: Wer war denn schuld an der Trennung?

Bachmayr: Wir beide, wir hatten beide Affären. Doch wir wurden einvernehmlich geschieden und erst als ich eine neue Beziehung hatte, in der ich glücklich war, fing das an.

ÖSTERREICH: Was wollen Sie mit der Plakat-Aktion jetzt erreichen?

Bachmayr: Ich will nur endlich meine Kinder wieder sehen.

Foto: (c) privat

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