Deutsche Spione in Salzburg

Skandal

© Fürweger, dpa

Deutsche Spione in Salzburg

Es könnte einer der größten Skandale im Sicherheitsbereich der vergangenen Jahre sein, den der Stern nun aufgedeckt hat: Ein unscheinbares Büro in der Franz-Josef-Straße 12, unweit des Schlosses Mirabell, soll von Ende 2004 bis 2006 eine getarnte Zweigstelle des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) gewesen sein.

Ahnungslos
Sollten die Recherchen des anerkannten deutschen Magazins stimmen, ist die Sache brisant: In Salzburg wusste offenbar niemand von den Tätigkeiten der in deutschen Diensten stehenden "Schlapphüte": Burghard Vouk, Leiter des Amtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Salzburg, erfuhr durch ÖSTERREICH von den jüngsten Enthüllungen und präsentierte sich ahnungslos. "Wenn es stimmt, ist es sehr interessant." Allerdings habe der Stern in diesem Bereich bereits die eine oder andere Panne produziert.

Doppelt peinlich
Handelt es sich um keine Zeitungsente, ist das für beide Seiten peinlich: Zum einen haben sich die heimischen Behörden vorführen lassen. Zum anderen erlaubt das deutsche Grundgesetz dem BND die Spionage in befreundeten Staaten nur, wenn diese eingeweiht sind und zustimmen. Aus diesem Grund dürfte die BND-Spitze in Pullach bei München sich auch für die Gründung einer Tarnfirma entschieden haben. Diese trug den unscheinbaren Namen HCL International Limited. Offiziell handelte es sich um eine Detektei samt Inkassobüro, die von den beiden Deutschen Helge L. (36) und Thomas K. (47) geführt wurde.

Mafia-Jäger
Die 30 Mitarbeiter des Unternehmens sollen unter anderem in den baltischen Staaten, in der Slowakei, auf den kanarischen Inseln und auf Zypern ermittelt haben. Im Mittelpunkt des Interesses: die Tätigkeiten der italienischen und russischen Mafia und die Finanzierung des Terrorismus im Kosovo. Die Mitarbeiter sollen nicht gewusst haben, für wen sie eigentlich tatsächlich tätig waren.

Aufgeflogen ist die Salzburger BND-Filiale, weil die HCL-Bosse einen deutschen Polizisten bestochen haben sollen. Deswegen stehen sie Anfang 2009 vor Gericht.

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