02. Februar 2010 20:50
Der frühere Technische Direktor der Salzburger Festspiele, Klaus Kretschmer,
befindet sich nach seinem Selbstmord-Versuch wieder auf dem Weg der
Besserung. Wie ÖSTERREICH berichtete, hatte sich der 49-Jährige durch einen
Sprung von der Schlachthof-Brücke das Leben nehmen wollen.
Während Kretschmer nach wie vor auf der Intensivstation des LKH Salzburg
liegt, wurde Dienstag vonseiten der Festspiele Anzeige gegen ihn erstattet -
samt Antrag auf Untersuchungshaft.
Prüfbericht deckt illegale Festspiel-Geldflüsse auf
Die
Festspiele übergaben der Staatsanwaltschaft auch den Prüfbericht, in dem
angebliche Geldf lüsse an Kretschmer und drei weitere Verdächtige aufgedeckt
wurden. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Schon am Freitag, 22. Jänner, war Kretschmer von Festspiel-Direktorin Helga
Rabl-Stadler entlassen worden, nachdem eine Wirtschaftsprüfung finanzielle
Unregelmäßigkeiten bei den Osterfestspielen ergab. Unter Verdacht standen
Kretschmer und der Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte.
Die plötzliche Verwicklung in den Skandal ließ das Leben des gefeierten
Direktors und Bühnenkünstlers samt luxuriöser Villa in Anthering bei
Salzburg mit einem Schlag zusammenbrechen. Das Leben jenes Mannes, über den
Jedermann-Star Peter Simonischek sagt: "Er war ein hervorragender
technischer Leiter der Festspiele. Einer, für den galt: "Geht nicht, gibt' s
nicht." Vielleicht hat er das Prinzip so verinnerlicht, dass er dann Dinge
übersehen hat."
Stimmen die Anschuldigungen, hat er tatsächlich einiges "übersehen". Die
Wirtschaftsprüfer werfen ihm vor, dass er, Nebeneinkünfte waren verboten,
Firmen unter seiner Beteiligung Festspiel-Aufträge zugeschanzt haben soll.
Er betrieb auch gemeinsam mit Tochter Claudia L. eine florierende PR-Firma.
Schon vor einer Woche erster Selbstmord-Alarm
Das alles war mit
einem Schlag zerstört. Nur wenige Tage nach den Enthüllungen hatte es
bereits Selbstmord-Alarm um Klaus Kretschmer gegeben, wie Helmut Naderer von
der Polizei Bergheim ÖS-TERREICH gegenüber bestätigt. Kretschmer hatte einem
deutschen Freund eine SMS geschickt, in der er diesen bat, sich um seine
Lebensgefährtin zu kümmern. Naderer: "Der Freund machte sich Sorgen, dass
Kretschmer sich was antun könnte, und verständigte uns." Die Polizei fand
Kretschmer vergangenen Dienstag auf einem Parkplatz. Dieser beruhigte aber:
Er hätte nur verreisen wollen.
Am Freitag holte sich die Bank Kretschmers Porsche
Doch für
Kretschmer wird die Lage auch finanziell immer aussichtsloser. Symbolischer
Höhepunkt: Am vergangenen Freitag schließen sich die Abschleppkrallen um
seinen schwarzen Porsche Cayenne in der gut bestückten Garage. Die Bank
lässt ihn beschlagnahmen.
Am Sonntag bringt der ORF Salzburg neue Enthüllungen über Kretschmer. Nach
dem Beitrag passiert das Unglück. Kretschmer verlässt in der Nacht das Haus
und stürzt sich von der Schlachthof-Brücke.
Die gute Nachricht: Die Ärzte sind sicher, dass er überleben wird. Die
weniger gute: Möglicherweise muss er vom Krankenbett in die U-Haft wechseln
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Simonischek: "Bin perplex über die Vorwürfe"
ÖSTERREICH: Wie hat Sie die Tragödie um Kretschmer getroffen?
Peter Simonischek: Ich mochte Klaus Kretschmer sehr und kenne
ihn sehr gut. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen alles Gute und dass
er wieder auf die Beine kommt. Ich hoffe, dass sich die Vorwürfe als
haltlos herausstellen.
ÖSTERREICH: Waren Sie überrascht vom Vorwurf?
Simonischek: Er war ein hervorragender technischer Leiter der
Festspiele. Einer, der 22 Mozart-Opern technisch auf die Reihe
bringt, das ist eine solche Meisterleistung. Er wurde für das
Prinzip „Geht nicht, gibt’s nicht“ geschätzt. Vielleicht hat er das
Prinzip so verinnerlicht, dass er dann Dinge übersehen hat. Ich war
perplex vom Vorwurf. Habe ihn auch bewundert, trotz Stress gut drauf
zu sein. Er hat offensichtlich diesen für ihn positiven Stress
genossen.
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