Kunstschatz im Sperrmüll in Zell am See

Entdeckt

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Kunstschatz im Sperrmüll in Zell am See

Ein rund 800 Jahre altes Kreuz aus der mittelalterlichen Kunstmanufaktur im französischen Limoges wurde von einer Pinzgauerin im Jahr 2004 in einem Sperrmüll-Container in Zell am See gefunden. Nach drei Jahren übergab sie es dem Bergbaumuseum Leogang, das gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Salzburg (LKA) die Geschichte des Kreuzes ermittelte: Es stammt aus einer polnischen Kunstsammlung und wurde 1941 von den Nazis gestohlen und nach Salzburg gebracht, teilte das LKA heute, Donnerstag, in einer Aussendung mit.

Bei Wohnungsentrümpelung auf Spermüll
Bei einer Wohnungsentrümpelung im Jahr 2004 landete das Kreuz in Zell am See im Sperrmüll-Container. Eine Nachbarin, die ein Faible für altes Geschirr hat, dürfte den Container durchsucht haben und entdeckte dabei unter anderem auch das Kreuz, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Da es nicht in ihre Wohnung passte und auch ihre Kinder das Kreuz nicht haben wollten, verstaute sie es vorerst unter der Couch, wo es bis 2007 blieb.

Heuer im Juli zeigte sie das Kreuz einem befreundeten Nachbarn, der erkannte, dass es sich dabei um eine Rarität handeln könnte, und brachte es daraufhin in das Bergbaumuseum Leogang. Der Kurator Museums, Hermann Mayerhofer, übergab dieses Kreuz zur Überprüfung an das LKA Salzburg.

Passionskreuz aus dem 12. oder 13. Jahrhundert
Die Ermittlungen, in die auch das Bundeskriminalamt und Sachverständige eingebunden waren, ergaben, dass es sich beim Kreuz um ein Passionskreuz handelt, welche im 12. und 13. Jahrhundert in der Werkstatt von Limoges hergestellt wurden. Es ist aus vergoldetem Kupferblech und Email angefertigt und stellt auf der Frontseite Christus am Kreuz dar. Auf der Rückseite sind mehrere Medaillons angebracht. Das Kreuz dürfte um 1200 entstanden sein.

Wert rund 400.000 Euro
Den Wert konnte das Kunsthistorische Museum nicht nennen, da es keine vergleichbaren Exponate aufbewahrt. Bei Auktionen in Paris oder London haben derartige Stücke jedoch Preise bis 400.000 Euro erzielt.

Von Nazis geraubt
Die Kriminalisten ermittelten auch die Herkunft des seltenen Stückes und stellten dabei fest, dass es sich um Beutekunst handelt. Das Kreuz stammt aus der Kunstsammlung von Izabella Elzbieta von Czartoryski Dzialinska im Schloss Goluchwow in Polen. Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges hat die damalige Eigentümerin versucht, die Sammlung vor den Deutschen zu retten. Sie hat die Stücke in Warschau in den Keller eines Hauses gebracht und dort eingemauert.

Im Dezember 1941 wurde das Versteck von den Deutschen jedoch entdeckt und die Sammlung in das polnische Nationalmuseum Warschau gebracht. Nach dem Warschauer Aufstand wurde die Sammlung nach Österreich in das Schloss Fischhorn in Bruck an der Glocknerstraße verbracht, welches damals von den Nationalsozialisten in Beschlag genommen war. Dort verliert sich die Spur des Kreuzes, das 1889 bei der Weltausstellung in Paris gezeigt worden war.

Wird im Bergbaumuseum ausgestellt
Die "Commission for looted Art" London, die sich auf das Aufspüren von Beutekunst aus dem 2. Weltkrieg spezialisiert hat, wurde vom polnischen Kulturministerium bereits eingeschaltet und vertritt die Erben. Nach Rücksprache mit dem Bezirksgericht Zell am See wurde das Exponat in das Bergbaumuseum Leogang zurückgebracht, da es dort sicher und fachgerecht aufbewahrt werden kann. Wie der Kurator des Bergbaumuseums mitteilte, ist beabsichtigt dieses besonders wertvolle Exponat in nächster Zeit auszustellen.

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