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Neue Grippe: Der Tod kam im Skiurlaub

Entsetzen in Saalbach

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Neue Grippe: Der Tod kam im Skiurlaub

Alle dachten: Schweinegrippe – das Thema ist doch durch. Man erinnere sich an den letzten Winter: Tausende Erkrankte in Österreich, die Weltgesundheitsbehörde (WHO) ruft erstmals eine Pandemie aus, die Pharmaindustrie macht mit Impfungen weltweit einen Umsatz von 18 Milliarden Euro (!). Passiert ist dann wenig bis gar nichts.

Nun der neue Aufreger: Im Skiort Saalbach-Hinterglemm stirbt ein Urlauber – und hinterlässt Ratlosigkeit. „Wir haben diese Tragödie gar nicht richtig mitbekommen. Wir stehen alle unter Schock“, sagt die Rezeptionistin der Pension Rosentaler Hof. Wie ÖSTERREICH berichtete, starb in diesem Hotel in der Silvesternacht der deutsche Urlauber Christian Rüdiger T. (32) aus Garching (Bayern) an den Folgen des H1N1-Virus. Er ist der erste Schweinegrippe-Tote dieser Saison in Österreich.

Jetzt fragen sich viele Österreicher: Muss ich jetzt auch Angst haben?

Die Tragödie: Es ist Samstag, vier Uhr früh, der erste Tag des neuen Jahres: Der Saalbacher Sprengelarzt Harald Spatzenegger wird in die Pension am Mühlfeldweg zu einem Notfall gerufen. In einem Zimmer haben zwei Männer und eine Frau aus Burghausen ihren Cousin und Bekannten Christian tot im Bett entdeckt. Der Arzt ordnet eine Obduktion an. Am Mittwoch, fünf Tage später, steht fest: Der Versicherungsangestellte aus München starb an einem Herz- und Lungenversagen – als Folge von H1N1.

Jung mit Grunderkrankung: Toter gehört zu Risikogruppe
Christian gehörte zur „Risikogruppe“: „Der junge Mann hat an einer chronischen Erkrankung seiner Nieren gelitten und reiste schon krank nach Salzburg“, sagt Landessanitätsdirektor Christoph König. „Christian hat auch aufs Skifahren verzichtet. Er hat das Zimmer nicht verlassen. Wir sagten zu ihm, er muss zum Arzt, doch er hat leider nicht auf uns gehört“, sagen seine Cousins.

Nach dem Befund H1N1 wurde in Saalbach Alarm geschlagen: Da die Inkubationszeit der Schweinegrippe fünf Tage beträgt, wurden jene 20 bis 30 Personen, die sich im Umfeld von Christian Rüdiger aufgehalten haben, kontaktiert. Bis Donnerstag habe sich laut Bezirkshauptfrau Rosmarie Drexler keiner mit Grippesymptomen gemeldet. „Das ist ein bedauerlicher Einzelfall, uns steht keine Welle bevor.“

Aber: Donnerstag wurde bekannt, dass in Salzburg eine zweite Patientin an Schweinegrippe erkrankt ist. Die Salzburgerin hatte sich in Paris angesteckt, ist am Weg der Besserung.

Der Leichnam von Christian ist bereits nach Deutschland überstellt worden. Seinen Angehörigen und Freunden steht ein schwerer Gang bevor: Heute um 11 Uhr wird in der Nikolauskirche der Trauergottesdienst und anschließend die Beerdigung stattfinden.

Jochen Prüller

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