Prozess um Kindesmisshandlung in Sbg

"Es war stressig"

Prozess um Kindesmisshandlung in Sbg

Mit Blutergüssen im Gesichts- und Lendenbereich ist im März 2007 ein fünf Monate altes Baby von seinen Eltern ins Salzburger Landeskrankenhaus gebracht worden. Die Verletzungen sind laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten durch erhebliche, stumpfe Gewalteinwirkungen entstanden, die Staatsanwaltschaft geht von Schlägen aus. Der 25-jährige Vater des Buben, der sich am Freitagnachmittag wegen des Verdachtes der Kindesmisshandlung am Landesgericht Salzburg verantworten musste, beteuerte seine Unschuld. Der Prozess wurde zur Gutachtenerörterung auf 2. Juli vertagt.

"Es war stressig"
"Ich habe ihn nicht geschlagen. Es war stressig mit dem Buben. Marcel hat immer geschrien", schilderte der mehrfach vorbestrafte Oberösterreicher. Der Fleck am Rücken sei angeboren oder stamme entweder vom Herumtragen im Kindersitz oder von beruhigenden Massagen. Die Verletzung im Mund sei vermutlich durch einen Finger entstanden, weil man nachsehen wollte, ob das Kind vielleicht einen Zahn komme. Und das Hämatom am Hals wurde vermutlich "durch eine Bernsteinkette verursacht, die sich während der Nacht festgezogen hatte", berichtete die Kindesmutter im Zeugenstand.

Gefährdung des Kindes
Für den Kinderarzt seien diese Erklärungen nicht ausreichend gewesen, wie der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Leonhard Thun-Hohenstein - er ist Leiter der Kinderschutzgruppe - Richterin Karoline Edtstadler erklärte. Im Befund wurde zwar kein Misshandlungsverdacht festgestellt, sehr wohl aber eine Gefährdung und ein Vernachlässigen des Kindes durch unsachgemäße Handhabung. "Krankenschwestern haben beobachtet, dass die Mutter nicht in der Lage war, das Fläschchen zu richten."

Bub zur Adoption freigegeben
Die Eltern haben den Buben mittlerweile zur Adoption freigegeben. Vor knapp sechs Monaten bekamen sie ihr zweites Kind. "Wir haben vom Jugendamt eine Familienbegleitung angenommen", so die Mutter. Ob sie jetzt mit dem Kind besser zurechtkämen als mit Marcel, fragte die Richterin. "Wir haben schon daraus gelernt", lautete die Antwort der 22-Jährigen.

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