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„Schieße nicht auf Menschen

Bewaffnet

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„Schieße nicht auf Menschen"

Stefan H. versteht die Aufregung: „Gerade nach der Geschichte in Finnland kann ich mir gut vorstellen, dass sich die Leute jetzt fürchten.“ Aber: „Nichts liegt mir ferner als auf Menschen zu schießen: Ich habe deshalb sogar den Wehrdienst abgesagt.“

Im Internat der Gastgewerbeschule hat am Montagvormittag eine Putzfrau in der Jacke des Kellnerlehrlings eine geladene Schreckschusspistole entdeckt. Der 19-Jährige hatte sich die Waffe gekauft, um sich, wenn er an den Wochenenden zu seinen Eltern nach Berlin fährt, zu schützen. Dass er die Pistole nicht mit in die Schule nehmen hätte dürfen, ist ihm klar: „Ich hab sie in der Jacke vergessen.“

Waffen sind normal
Stefans beste Freundin Nadine A. nimmt den 19-Jährigen in Schutz: „Ich wusste, dass er eine Pistole hat. In Deutschland ist das normal.“ Das Mädchen beschreibt ihren Freund als lustigen, freundlichen Kameraden, der sicher nicht aggressiv ist.

Dreimal abgemahnt
Ein anderes Bild zeichnet sich, spricht man mit seinen Vorgesetzten: Dreimal wurde Stefan schon schriftlich abgemahnt. „Aber wegen Kleinigkeiten“, wie es heißt. Der Direktor glaubt an eine Art Hilfeschrei, einen Schrei nach Aufmerksamkeit. Stefans Eltern leben getrennt, der Jugendliche verehrt seinen Vater über alle Maßen.

Kein Verständnis
Der Schock bei den Mitschülern sitzt tief: „Wer weiß, was passiert wäre, hätte er durchgedreht“, schüttelt ­eine Mitschülerin verständnislos den Kopf. Eine Lehrerin erzählt, dass viele Schüler darüber sprechen wollten: „Gerade nach den schrecklichen Vorfällen in Amerika und Finnland haben viele doch Angst.“

Stefan darf bleiben. Trotzdem setzten sich der Direktor und Schüler für das Bleiben des Berliners ein. Am Freitag sitzt er wieder neben seinen Freunden im Klassenzimmer. „Wir wollen ihm nichts verbauen“, rechtfertigt Fechter die Entscheidung.

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