08. November 2009 21:11
Um 7 Uhr früh öffnen die ersten von 133
Impf-Stellen im Land ihre Tore. Für 4,90 Euro Rezeptgebühr kann sich ab
diesem Zeitpunkt jeder Österreicher gegen die immer stärker grassierende
Schweinegrippe (H1N1) schützen lassen.
Das
große oe24-Special zur Schweinegrippe
Die Behörden rechnen wegen der explodierenden Infizierten-Zahlen mit einem
Ansturm und appellieren an die Bevölkerung, „nicht am Montag alle
gleichzeitig“ zu den Impf-Zentren zu kommen.
Offiziell gilt der Impf-Start den „Risikogruppen“. Das sind landesweit rund
76.000 Schwangere und 880.000 chronisch Kranke.
Allerdings appellieren Ärzte jetzt auch an völlig gesunde Menschen, sich das
Mittel Celvapan spritzen zu lassen: „Etwa Menschen, die viel im Ausland
sind, Kassiererinnen, Busfahrer oder Lehrer sind ebenfalls extrem gefährdete
Gruppen“, erklärt Ärztekammer-Chef Walter Dorner. Er ruft „dringend“ zur
Impfung auf – nicht zuletzt, weil die Schweinegrippe in der vergangenen
Woche mit dem ersten Todesfall und weiteren schweren Krankheitsverläufen
jetzt ihre Gefährlichkeit auch in Österreich zeigt.
Alleine in der Woche von 30. Oktober bis 6. November haben sich 35 Prozent
aller bisherigen Infizierten mit Schweinegrippe angesteckt. Die Dunkelziffer
der Erkrankten könnte laut Berechnungen des Europäischen Zentrums für die
Prävention und die Kontrolle von Krankheiten bereits bei rund 15.000 liegen.
Arzt: „War selbst unsicher, jetzt rate ich es jedem“
Auch
andere Mediziner nehmen die Grippe jetzt ernster denn je, warnen vor H1N1
und raten zur Schutz-Impfung. Der renommierte Gynäkologe Paul Sevelda sagt
im ÖSTERREICH-Gespräch: „Ich war mir selbst vor zwei Wochen noch unsicher,
ob ich mich impfen lassen soll. Jetzt kann ich es nur jedem und besonders
schwangeren Frauen empfehlen. Gerade ich als Arzt darf nicht zulassen, dass
ich die Krankheit an Patienten weitergebe.“ Weitere Gründe für den
Stimmungsumschwung: „Die Häufung der Fälle in Europa, immer schwerere Fälle,
kaum Nebenwirkungen beim Impfstoff.“
Auch Egon Marth, Vorstand des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und
Umwelthygiene an der Uni Graz, sagt: „Die Impfung gewährleistet einen hohen
Schutz und hat praktisch keine Nebenwirkungen.“
Reicht der Impfstoff für alle Österreicher?
Trotz der
gestiegenen Impf-Bereitschaft ist sicher: Nicht alle Bürger werden sofort
eine Impfdosis bekommen können. Bis Ende November kann Baxter lediglich 1,6
Millionen Dosen des Mittels Celvapan liefern. Da zwei Teilimpfungen benötigt
werden, reicht diese Menge nur für 800.000 Menschen.
Diese Woche stehen überhaupt vorerst nur 880.000 Impfampullen zur Verfügung.
Bei der täglich steigenden Sensibilisierung der Österreicher laut Experten
viel zu wenig.