Arzt handelte mit Substitolrezepten

Ohne Skrupel

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Arzt handelte mit Substitolrezepten

Ein niederösterreichischer Arzt ist verhaftet worden, weil er gegen Bezahlung Dauerrezepte für Substitol ausstellte und damit einen schwunghaften Handel mit dem Drogenersatzmittel ermöglichte. Die Polizei war ihm auf die Schliche gekommen, nachdem im Zusammenhang mit zwei Todesfällen in der Steiermark die Lieferanten ausgeforscht werden konnten. Insgesamt wurden acht mutmaßliche Händler festgenommen und 120 Konsumenten angezeigt, hieß laut Sicherheitsdirektion Steiermark.

Drogendeal
Ende September 2008 konnten zuerst ein 27-jährige Grazer und ein 38-jähriger weißrussischer Asylwerber bei einem Drogendeal in Wien von Kriminalisten beobachtet und festgenommen werden. Dabei wurde von den Einsatzkräften beim Grazer eine schussbereite Faustfeuerwaffe und ein Messer sichergestellt. Der Weißrusse hatte 60 Stück Substitol und 2.000 Euro Drogengeld bei sich. Weitere 100 Stück Substitol wurden in seiner Wohnung gefunden.

Überfall auf Postamt
Im Zuge der Einvernahmen stellte sich heraus, dass der 27-jährige auch einen Überfall auf ein Grazer Postamt unternommen hatte. Beim Versuch, mit der geladenen Waffe ins Postamt einzudringen, verlor er allerdings bei der Konfrontation mit dem Postbeamten das angesteckte Magazin und musste flüchten.

Weitere Ermittlungen
Nach der Verhaftung der beiden Männer wurde auch die 24-jährige Ehefrau des Grazers, die mit ihrem Kleinkind Kurierfahrten von Wien nach Graz durchgeführt hatte, festgenommen. Im Zuge der weiteren Ermittlungen konnten zwei weitere Großabnehmer des Weißrussen sowie mehrere Lieferanten in der Steiermark ausgeforscht werden.

Substitol Handel
Mitte Dezember gelang es den Kriminalisten, ein weißrussisches Ehepaar, das unter falschen Namen um Asyl in Österreich angesucht hatte, in Niederösterreich festzunehmen. Die Originaldokumente hatten sie in einer Hauswand eingemauert - sie wurden dennoch gefunden. Dem 25-jährigen Mann und seiner 33-jährige Frau konnte nachgewiesen werden, dass sie mindestens zwei Jahre lang von einem 41-jährigen Arzt und Psychotherapeuten aus dem Bezirk Hollabrunn, obwohl sie nie süchtig waren, Dauerrezepte zum Bezug von Substitol ausgestellt bekommen hatten. Das Drogenersatzmittel verkauften sie an den 38-jährigen Weißrussen.

120 Konsumenten
Dem selbst süchtigen 38-jährigen Weißrussen konnte der Verkauf von mindestens 10.000 Stück 200 mg Substitol-Steckkapseln allein in die Steiermark nachgewiesen werden. Insgesamt wurden 120 Konsumenten und Subdealer angezeigt, wobei die Ermittler von einer noch größeren Zahl an Beteiligten und einer noch größeren Menge des Drogenersatzmittels ausgehen.

100 Euro pro Rezept
Der 41-jährige Mediziner steht im Verdacht, zwei Jahren gegen Bezahlung von 70 bis 100 Euro und gegen Sachleistungen monatliche Dauerrezepte ausgestellt zu haben. Auf diese Weise konnten sich die Bezieher große Mengen Substitol verschaffen und es an Konsumenten weiterverkaufen. Der Arzt wurde Ende Februar festgenommen und in die Justizanstalt Wiener Neustadt gebracht.

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