Brustkrebs-Arzt wg. fahrlässiger Tötung angeklagt

Zweiter Prozesstag

© APA/ Jäger

Brustkrebs-Arzt wg. fahrlässiger Tötung angeklagt

Am Grazer Straflandesgericht wurde am Donnerstag der Prozess gegen einen Brustkrebs-Spezialisten fortgesetzt. Dem Arzt wird fahrlässige Körperverletzung, fahrlässige Tötung und die Fälschung von Beweismitteln vorgeworfen. Angeklagt sind zwölf Fälle, in denen der Mediziner nach Meinung eines Sachverständigen falsche Methoden angewendet hat. Der Arzt fühlte sich bisher nicht schuldig. Ihm droht im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

Vergessener Tupfer
Am zweiten Verhandlungstag war u.a. jene Patientin als Zeugin geladen, deren Behandlung zur internen Überprüfung und späteren Suspendierung des Arztes geführt hatte. Bei der 52-Jährigen war ein Tumor entdeckt worden, den der Mediziner operierte. Doch die Wunde in der Achselhöhle heilte nicht. Der Arzt hatte nämlich einen Tupfer vergessen.

Tumor übersehen
Der Frau ging es immer schlechter, sie wechselte den Arzt, und der entdeckte einen weiteren Tumor. Bei der Operation vier Monate nach der ersten zeigte sich auch der wahre Grund für die Heilungsstörung: Im Körper der Frau hatten sich noch zwei weitere Tupfer befunden. Durch die schlechte Wundheilung konnten bei der Patientin keine Chemo- und Strahlentheraphien durchgeführt werden, was "zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebensprognose" führte.

53-jährige gestorben
Eine andere Patientin starb vier Jahre nach seiner Behandlung. Nach Meinung des Sachverständigen hat der Arzt bei der Operation nicht genügend Gewebe entfernt. Ob der Tod eine Folge der Behandlung des Beschuldigten war, ließ sich vorläufig nicht mit Sicherheit klären.

Falsche Methode
Die damals 53-jährige Patientin kam wegen eines Tumors 2004 zum angeklagten Arzt. Er entfernte aber nicht die gesamte Brust, sondern ließ Haut und Brustwarze übrig. Zugleich setzte er ein Implantat ein, wodurch die Brust optisch trotz der OP kaum verändert war. Dem Gutachter zufolge war das die falsche Methode, es hätte die gesamte Brust entfernt werden müssen.

Bestrahlung unterlassen
Außerdem hätte die Frau bestrahlt gehört, und durch das Implantat konnten wichtige Medikamente erst sechs Wochen später verabreicht werden. "Die weitere Therapie hat die Onkologie entschieden, damit habe ich nichts zu tun", wehrte der Grazer Mediziner im Prozess die Vorwürfe ab. Die Frau erlitt ein Jahr später einen Rückfall, vor kurzem ist sie gestorben.

Prozess vertagt
Am Abend ist der Prozess nach zwei Verhandlungstagen vertagt worden. Es sollen weitere Zeugen geladen werden. Bisher sind die meisten betroffenen Frauen vor Gericht zwecks Aussage erschienen. Einige kamen nicht, teils weil sie zu krank sind oder auf Urlaub. Nun will das Gericht noch die Aussage einer Patientin hören, deren Krankengeschichte im Nachhinein verändert worden sein soll, außerdem sollen noch Ärzte geladen werden. Der Prozess wird voraussichtlich im Oktober fortgesetzt.

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