GAK-Platzsturm: Prozess gegen Polizist

Graz

GAK-Platzsturm: Prozess gegen Polizist

Weil er einen Fußballfan mit dem Schlagstock schwer verletzt hat, musste sich ein steirischer Polizist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht verantworten. Schauplatz der Ausschreitungen war das Relegationsspiel zwischen GAK und Hartberg in der Ersten Liga im Juni 2012. Nachdem bereits 16 randalierende Fans angeklagt und zum Teil verurteilt worden sind, stand nun ein Polizist vor dem Richter.

Bei dem Match war es zu einem Platzsturm durch erboste GAK-Fans gekommen, die ihren Unmut über das schlechte Spiel ihres Klubs nicht zügeln konnten. Dabei war die Polizei im Großeinsatz, war doch schon im Vorfeld Ähnliches befürchtet worden. Nun musste sich ein 35-jähriger Polizist dafür verantworten, dass er einen randalierenden Mann mit dem Schlagstock einen "stichartigen Stoß", so der Staatsanwalt, versetzt hatte. Unglücklicherweise leidet der Mann durch Hepatitis B und C an einer geschwächten Leber, die durch die Attacke einen Riss bekam. Die Folge war eine lebensgefährliche Verletzung, von der sich der Mann nach eigenen Angaben noch nicht ganz erholt hat.

Der Polizist gab an, er könne sich an den Vorfall nicht mehr erinnern, damals sei zu viel los gewesen. "Da kommt ein einzelner Mann mit nacktem Oberkörper auf sechs Polizisten zugetorkelt und es gibt keine andere Möglichkeit, den zu beruhigen als mit dem Schlagstock?", wunderte sich Richter Martin Wolf. Der Getroffene blieb minutenlang liegen, aber auch daran konnte sich der Beamte nicht mehr erinnern. "Es war für uns eine Notwehrsituation", meinte der Angeklagte lediglich.

Zahlreiche Kollegen des Beschuldigten mussten als Zeugen aufmarschieren und gaben alle übereinstimmend an, sie könnten sich an nichts erinnern. Irgendwann wurde es dem Richter dann zu bunt: "Wollen Sie nicht endlich die Größe haben und sagen, dass es so war? Bevor noch mehr Ihrer Kollegen kommen müssen und vielleicht wegen Falschaussage angeklagt werden? Es will ja niemand ein Kollegenschwein sein. Und es unterstellt Ihnen niemand, dass sie den Mann verletzten wollten." Doch der Angeklagte blieb bei seiner Variante, also werden noch mehr Zeugen gehört werden müssen.

Der Verletzte - er gehört übrigens nicht zu jenen 16 Personen, die angeklagt worden sind - gab an, er sei "ganz allein vor 13 oder 15 Polizisten gestanden, und plötzlich hat einer hergeschlagen." Dann habe er das Bewusstsein verloren, und bis heute seien die Schmerzen nicht ganz verschwunden.

Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, da ein Gutachten bezüglich des Stockeinsatzes in Auftrag gegeben wurde.

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