Einsturz an der S 35

"Ich war unter der Murbrücke"

„Ich hab einen dumpfen Knall gehört und gleich danach einen gewal­tigen Rumpler“, beschreibt Manfred Kollegger (49). Er ist der Mann, der vergangenen Samstag beim Einsturz des 800-Tonnen-Teils der S 35 bei Frohnleiten genau unter (!) der Murbrücke stand.

Der gelernte Bäcker hatte mit der Baufirma vereinbart, dass er am Wochenende unbenötigte Holzteile der Baustelle abholen könne. Diese Teile lagen unter der zweiten, intakten Schnellstraßenbrücke für den Abtransport bereit. Kollegger machte sich also am Samstagnachmittag gemeinsam mit seiner Freundin mit dem Traktor auf den Weg.

Tack-Tack-Tack
„Schon während wir das Holz aufluden, hörte ich immer wieder ein Geräusch, als wenn jemand eine Eisenstange hinschmeißt. Ich dachte zuerst, dass es der Wind wäre“, so Kollegger. Als ein Zug vorbeifuhr, vernahm er dann ein lautes „Tack-Tack-Tack“: „Im Nachhinein habe ich erfahren, dass zu diesem Zeitpunkt die Ankerschrauben gebrochen sind.“

Teil ging nieder
Als der Deutschfeistritzer beim Aufladen am Anhänger stand und nach oben blickte, fiel ihm noch etwas auf: „Ich habe zwischen den Gleisen ein Stück Eisen liegen gesehen, das dort sicher nicht hingehörte.“ Der 49-Jährige ging näher, um nachzusehen, und versuchte daraufhin, den Polier der Brückenbaustelle anzurufen. „In dem Moment kam dann der Schnellzug, ich trat zurück und stand somit im Teil bei der alten Brücke. Kurz darauf brach der erste Teil nieder: Zuerst gerade, dann kippte das Brückenteil nach rechts weg und blieb am Kran hängen. Funken sind geflogen, weil die Teile die Oberleitung trafen. Es war ein irrer Lärm.“

Action
„Ich habe sofort den Notruf gewählt und gesagt, sie müssen alle Züge stoppen“, schildert er die Situa­tion. „Meine Freundin war ganz weiß im Gesicht. Sie hat sich mehr geschreckt. Es war schon eine Action.“ Anrainer kümmerten sich um die geschockte Frau und nach einiger Zeit fuhr das Paar nach Hause. Wie viel Glück er und seine Freundin gehabt haben, wurde ihm erst später bewusst: „Ich bin am Abend noch einmal hingefahren, um meinem Sohn die Stelle zu zeigen."

"Es war ein gewaltiger Rumpler"

 

ÖSTERREICH: Was haben Sie bei der Baustelle gemacht?
MANFRED KOLLEGGER: Ich hatte mit der Baufirma ausgemacht, dass ich Holzabschnitte haben kann. Die wollte ich an dem Samstag holen. Und die waren zum Abtransport fertig hergerichtet.

ÖSTERREICH: Ist Ihnen vor dem Einsturz schon etwas aufgefallen?
KOLLEGGER: Ich habe die ganze Zeit so ein Geräusch gehört, wie wenn jemand eine Eisenstange hinschmeißt.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie den Einsturz erlebt?
KOLLEGGER: Ich stand ganz hinten im Eck bei der alten Brücke. Zuerst hörte ich ein „Wrumm“, dann das Rutschen des Brückenteils. Ein gewaltiger Rumpler. Es war eine Action. Aber ich habe mich nicht so sehr geschreckt wie meine Freundin. Die war weiß im Gesicht.

(frj)

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