Polizei jagt den

Psychopath flüchtig

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Polizei jagt den "Horror-Hans"

Die Flucht war nicht mehr als eine Fingerübung: In der Nacht auf Montag bog Johann Schnautz (55) die filigranen Gitterstäbe vor dem Fenster seines Haftraums in der Grazer Nervenklinik Sigmund Freud allein mit Muskelkraft weit auseinander. Dann schlüpfte der füllige Mann, für den die Unschuldsvermutung gilt, durch die Öffnung im ersten Stock, hangelte sich zur Dachrinne und rutschte in die Freiheit.

Spurlos verschwunden
Seither ist der laut Gutachten „unberechenbare Psychopath“ wie vom Erdboden verschluckt. Seither schütteln Ermittler im Landeskriminalamt über den Sicherheitsstandard in U-Haft den Kopf, der den Ausbruch zum Kinderspiel machte: „Einen Pitbull bindet man ja auch nicht mit einem Zwirn an.“ Und seither herrscht Unruhe in der Steiermark, weil nicht abschätzbar ist, wie gefährlich Johann Schnautz in Bedrängnis agiert. Seine Nachrede in der Polizei als „Horror-Hans“ lässt allerdings Ungutes vermuten.

Querulant
Zumal nichts so redlich erworben ist wie ein schlechter Ruf. Und auch Schnautz hat für seinen Spitznamen viel getan. Seine Karriere als „Horror-Hans“ begann mit lange zurück liegenden (rechtskräftigen) Verurteilungen wegen gefährlicher Drohung und Körperverletzung.

Der Steirer fühlte sich ungerecht behandelt und bombardierte fortan Gerichte und Redaktionen mit Schmähungen über „die korrupte Staatsanwaltschaft und Justiz“ – freilich ohne Erfolg. Die fixe Idee, von einer bösen Macht verfolgt zu werden, wurde zum Wahn. Schnautz verbohrte sich in seine Opferrolle, wurde zum Einzelgänger, arbeitslos und schließlich tatsächlich schwer kriminell.

„Geiselnehmer“
Denn vergangenen Februar täuschte der verwirrte Mann die Geiselnahme einer Autostopperin vor – und drohte, sich mit ihr in die Luft zu sprengen. Ziel der Aktion: Aufmerksamkeit zu finden.

Nach 20 Stunden stürmte ein Cobra-Kommando die Wohnung des Psychopathen in St. Marein – und Schnautz kam als U-Häftling in die Landesnervenklinik. Am 1. Juni entließ er sich selbst durchs Fenster.

Fahnder vermuten, dass sich „Horror-Hans“ in der Obersteiermark versteckt. Brisanter aber eine andere Vermutung: Dass er die Flucht für neue Schlagzeilen nützt – durch welch spektakuläre Aktion auch immer.

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