Grazer Bischof Kapellari tritt zurück

Seit vier Jahren geplant

Grazer Bischof Kapellari tritt zurück

Der Bischof der steirischen Diözese Graz-Seckau, Egon Kapellari, tritt zurück. Dies werde in wenigen Tagen wirksam, hieß es am Samstag. Kapellari steht im 80. Lebensjahr und hatte bereit vor vier Jahren Papst Benedikt XVI. um seinen Rücktritt ersucht.

Die "Entpflichtung vom Bischofsamt" durch den Papst erfolgt ohne Ernennung eines Nachfolgers. Das Grazer Domkapitel wird deshalb einen Diözesanadministrator wählen, der die Funktion wahrnimmt, bis von Papst Franziskus einen Nachfolger bestimmt. Als ein Grund für Kapellaris Rückzug wurden auch gesundheitliche Probleme angegeben. Kapellari ist mit 33 Dienstjahren der dienstälteste Bischof Österreichs

Rückzug nach 33 Jahren
Der steirische Bischof wandte sich am Samstag in dem Hirtenbrief "auf den Tag genau 33 Jahre nach meiner Bischofsweihe im Dom von Klagenfurt" an die Angehörigen seiner Diözese und teilte seinen kommenden Rücktritt mit. Papst Franziskus werde seinem wiederholten Ersuchen entsprechen, wenige Tage nach seinem Geburtstag am 12. Jänner. Kritik am langen Warten klang in dem Hirtenbrief durch.

Er vertraue gemeinsam mit den Katholiken darauf, dass sich "betreffend die Frage meiner Nachfolge im Bischofsamt alles gut fügen wird, weil die für eine diesbezügliche Entscheidung Verantwortlichen in Kenntnis der Gesamtsituation der Kirche in Österreich und in Steiermark gewiss höchst verantwortlich handeln und entscheiden werden". Kapellari schrieb weiters, man müsse die Bemühungen um ein gutes Miteinander nicht nur beibehalten, sondern sogar verstärken und er bitte, "diese Entscheidung mit inständigem Gebet zu begleiten". Er wolle in der Diözese bleiben und helfen, "wo ich noch kann und gebraucht werde", was aber keine Einmischung bedeute.

Gesundheit als Grund für Rücktritt
Im Ganzen sei er noch bei guter Gesundheit, doch durch Probleme betreffend die Funktionsfähigkeit beider Knie mehr und mehr beeinträchtigt: "Deshalb habe ich im Einvernehmen mit dem Apostolischen Nuntius und der römischen Kongregation für die Bischöfe erneut eindringlich um meine Entpflichtung gebeten." Mit dem Datum der Veröffentlichung dieser Entscheidung beende er seine 33 Jahre in der Leitung der Diözese Gurk-Klagenfurt und seit März 2001 der Diözese Graz-Seckau.

Er habe im Jänner 2011 Papst Benedikt XVI. um Entpflichtung gebeten, dieser habe dieses Gesuch "nunc pro tunc" ("jetzt für später") angenommen und zugleich seine Amtszeit um zwei Jahre verlängert. "Diese Frist war aber kein verbindlicher Rahmen und ich bin seither durch weitere zwei Jahre Diözesanbischof von Graz-Seckau gewesen", schrieb Kapellari, wobei diese Zeit keineswegs ein Provisorium gewesen sei. Das zeige etwas die Entwicklung des Projekts "Diözesaner Weg".

Das Domkapitel soll nun innerhalb von acht Tagen ab Veröffentlichung der Entpflichtung - voraussichtlich am Mittwoch im Osservatore Romane, wie die "Kleine Zeitung" am Samstag schreibt - einen Diözesanadministrator wählen, bis eine Bischofsernennung für Graz-Seckau vorliegt. Einige Zeit schien es so, als wäre Weihbischof Franz Lackner der logische Nachfolger, doch wurde dieser dann im November 2013 nach Salzburg als Nachfolger Alois Kothgassers berufen.

Trotz der bewiesenen Langmut ließ Kapellari in seinem Abschiedsschreiben auch zart Kritik anklingen: "Mein Abschied von der Leitung der Diözese ist zeitlich nicht schon mit der Ernennung eines neuen Diözesanbischofs verbunden. Wenn ein Gesamtblick auf die vergangenen vier Jahre und auf die Suche nach Kandidaten nicht gegeben ist, wird man leicht geneigt sein, dies zu kritisieren. Ein wichtiger Grund für diese Verzögerung lag beziehungsweise liegt in der Berufung unseres bisherigen Weihbischofs Franz Lackner zum Erzbischof von Salzburg. Ich bitte Sie alle, liebe katholische Christen in unserer Diözese, in dieser Verzögerung auch eine Fügung zu erkennen und anzunehmen.".

Neben seinem besonderen Dank den "vielen lebenden oder schon verstorbenen Menschen, Christen, aber auch Nichtchristen und Menschen ohne religiöses Bekenntnis" und den Priestern und ehrenamtlich Wirkenden gehe sein "zutiefst empfundener Dank gilt den sogenannten 'Stillen im Lande', den Beterinnen und Betern, die oft verborgen und stellvertretend für viele andere Gott eine lobende, bittende und dankende Antwort auf das Wort geben, das er in Schöpfung und Erlösung gesprochen hat und immer neu spricht."

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