06. Februar 2010 21:10
Es war eine Horror-Woche
auf Österreichs Bergen. Neun Personen kamen unter den Schneemassen
um. Trauriger Rekord: Innerhalb von 24 Stunden starben sechs Leute. Eine
Geschichte bewegt das Land besonders: Ein junges Liebespaar geht gemeinsam
auf Skitour. Bei einer Lawine stirbt die Frau, der Mann – er ist wenige
Zentimeter entfernt gefangen im Schnee – überlebt. Das Protokoll des
tragischen Unfalls:
Donnerstagvormittag starten Elke F. (27) und ihr Freund Nikolaus H. (35)
ihre Tour auf den Sonntagsköpfl (2244 Meter hoch) im Zillertal in Tirol. Die
Deutschen aus Hausham (Bayern) waren sehr verliebt, wohnten erst seit einem
Jahr zusammen. Sie waren erfahrene Tourengeher, nahmen zur Sicherheit
Lawinenpiepser mit.
Nur wenige Zentimeter entfernt
Um 14.00 passiert das Drama: Sie
treten eine Lawine los, werden hilflos vom Schnee mitgerissen. Nikolaus H.
hat unfassbares Glück: Um sein Gesicht bildet sich ein Luftraum – er kann
atmen. „Die ganze Zeit über wusste er, dass seine Freundin tot neben ihm
liegt“, sagt der Bergretter Michael Knauer. Elke F. war nur wenige
Zentimeter entfernt – eine Distanz, die offenbar über Leben und Tod
entschied.
Notruf nach 5 Stunden
Nikolaus H. liegt wie einbetoniert unter
30 Zentimeter Schnee. Fünf Stunden lang versucht der Bayer verzweifelt an
sein Handy zu kommen, das er am Körper trägt. Um 19.00 Uhr kann er erst
einen Notruf absetzen.
In der Bergrettungszentrale wird rasch reagiert. Problem: Um diese Uhrzeit
sind keine Hubschrauber mehr in Betrieb. Zu gefährlich sind Flüge im
Dunklen. Doch innerhalb von 20 Minuten findet sich ein mutiger und
ortskundiger Pilot. Mit an Bord: Ein Hundeführer, eine Notärztin und
Bergretter. Einer von ihnen war Michael Knauer: „Das Opfer dirigierte uns
per Handy. Er sagte uns, ob der Fluglärm leiser oder lauter wurde – so
fanden wir ihn schließlich“. Mittlerweile war es 20.30 Uhr.
Beinahe unverletzt
Hundeführer und Bergretter gruben Nikolaus H.
aus: „Er hat gesund gewirkt, sagte nur, wie kalt ihm ist“, beschreibt Knauer
die Situation. Besonders dramatisch: Der Überlebende musste zusehen, wie
seine verstorbene Freundin ausgegraben wurde. Dann wurde er per Hubschrauber
ins LKH-Innsbruck geflogen.
Nikolaus H. liegt noch immer im Spital. Ihm geht es physisch gut: Er kann
selber essen, sich um seine Hygiene kümmern. Aber erst jetzt realisiert er,
dass seine Freundin direkt neben ihm gestorben ist – er ist psychisch am
Ende.