01. Februar 2010 21:42
„Sie lieben die Natur, und sie gehen an ihre Grenzen“, werden die Sportler
des Tiroler Raiffeisen-Extrem-Teams angepriesen. Am Sonntag überschritt
eines der sieben Mitglieder des Sport-Trupps diese Grenze – und wäre deshalb
fast gestorben.
Stefan Widauer, 28 Jahre, wurde in der Wildschönau von einem Schneebrett
mitgerissen und unter den Massen begraben. Da er keinen Lawinenpiepser dabei
hatte, dauerte die Rettung 50 Minuten. Trotzdem überlebte der Tourengeher –
was an ein Wunder grenzt. Denn, so Renate Larndorfer von der Innsbrucker
Klinik: „Ein Durchschnittsmensch hätte das unter diesen Umständen nicht
überlebt.“
Körpertemperatur betrug 27 Grad Celsius
Die Vorgeschichte:
Obwohl hohe Lawinengefahr herrschte, war Extremsportler Widauer gegen 11.50
Uhr mit einem Freund in den Ost-Hang des Saupanzens eingefahren. Wie „fast
jeden Tag“, sagt der Tiroler. „Ich spürte schon die schlechte Schneebindung,
habe aber nichts Böses vermutet“, berichtete der 28-Jährige am Montag im
Spital. „Dann kam der Druck vom Berg runter, und ich war eineinhalb Meter
unter dem Schnee wie einbetoniert.“ Er habe gewusst, dass es knapp wird: „Es
ist ein Scheißgefühl, so lange lebendig begraben zu sein und den Tod vor
Augen zu haben.“
Zwei glückliche Umstände retteten den Tiroler: Er konnte sich eine kleine
Atemhöhle graben – und er ist durch tägliches Training in Top-Form. Nur so
konnte er lange genug überleben, bis ein Bergretter ihn mit einer
Lawinensonde fand. Mit einer Körpertemperatur von nur 27 Grad Celsius wurde
der Verunglückte geborgen. Trotzdem: Voraussichtlich kann er heute das
Krankenhaus bereits verlassen.
„Wegen solcher Leute sind heuer elf Retter gestorben“
Bei
aller Freude über die Rettung setzte es auch heftige Kritik – vonseiten der
Bergrettung. „Es ist total egoistisch und verantwortungslos, bei Warnstufe 3
ohne Lawinenausrüstung in einen solchen Hang zu fahren“, ärgert sich
Landesstellenchef Peter Veider gegenüber ÖSTERREICH. Durch den fehlenden
Piepser sei es notwendig gewesen, dass die Retter sich länger als üblich im
Gefahrenbereich aufhalten mussten. „Heuer sind wegen solcher Leute in den
Alpen schon elf Bergretter gestorben“, so Veider.
Glückspilz Widauer hat jedoch kein schlechtes Gewissen – er habe nicht
gewusst, dass Alarmstufe 3 herrsche. „In Zukunft werde ich aber immer ein
LVS-Gerät (Anm.: Piepser) dabei haben.“ Die Kosten für die Bergung wird er
selber übernehmen müssen