18. Oktober 2017 10:20
Innsbruck
Frauen überfallen: Prozess gegen 26-Jährigen
Anklage wirft dem Mannunter anderem dreifachen Raub, versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor.
Frauen überfallen: Prozess gegen 26-Jährigen
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Ein 26-Jähriger, der im vergangenen Dezember an drei aufeinanderfolgenden Tagen Frauen in Innsbrucker Tiefgaragen überfallen haben soll, hat sich am Mittwoch am Landesgericht verantworten müssen. Die Anklage warf dem Kroaten unter anderem dreifachen Raub, versuchten Mord, schwere Körperverletzung, erpresserische Entführung und Tierquälerei vor.

Der Beschuldigte schwieg vor Gericht beharrlich. Er gab weder auf die Fragen der Richter und des Staatsanwaltes noch seines Verteidigers Antworten, weshalb der vorsitzende Richter die Befragung des 26-Jährigen, nach einigen Versuchen, ihn doch noch zum Reden zu bewegen, abbrach.

Der Kroate wurde unter regem Medieninteresse und einem Großaufgebot an Justizwachebeamten in den Gerichtssaal geführt. Die Verhandlung musste er in Fußfesseln verbringen, denn Mitte Mai des vergangenen Jahres war der Angeklagte nach einer Verhandlung wegen Einbrüchen kurzerhand aus dem Fenster gesprungen. Nach einer kurzen Flucht durch die Innsbrucker Altstadt wurde er jedoch rasch wieder gefasst.

Massive Gewalt

Staatsanwalt Thomas William sprach in seinem Eröffnungsplädoyer von Straftaten, die mit "massiver Gewalt" ausgeführt worden waren. Die Verletzungen, die eines seiner Opfer, die Tochter des verstorbenen Schauspielers Karlheinz Böhm - Sissy Böhm - erlitten habe, seien laut einem Gutachten sogar mit Lebensgefahr verbunden gewesen. Böhm könne sich bis heute nicht an die Tat erinnern, weshalb sie auch nicht als Zeugin geladen wurde.

"Der Beschuldigte hat aber in Gesprächen mit der Psychiaterin Adelheid Kastner über die Taten gesprochen", sagte Willam. Zudem habe man Blut der Opfer an seinen Schuhen gefunden und seine DNA an den Opfern selbst, weshalb es keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten geben könne, schloss der Staatsanwalt sein Eröffnungsplädoyer. Er beantragte die Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Der 26-Jährige war schließlich in Zirl festgenommen worden, nachdem er bei einer Verfolgungsjagd gegen eine Mauer gefahren und anschließend zu Fuß geflüchtet war. Kurz zuvor hatte er sein drittes Opfer überfallen.

Geistige Störung

Psychiaterin Adelheid Kastner legt die Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt nahe. Der Kroate sei zwar in der Lage gewesen, zu erkennen was er tut, war also zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig, trotzdem habe er eine höhergradige geistige Störung, meinte die Psychiaterin.

Die Ursache der Delikte sah Kastner in dem Beziehungsende mit seiner Lebensgefährtin. "Aufgrund seiner Vergangenheit hat der Beschuldigte gravierende Probleme, mit einer Trennung umzugehen", erklärte die Psychiaterin. Weil seine ehemalige Lebensgefährtin auch noch Geldprobleme als Trennungsgrund angab, habe er die Lösung darin gesehen, möglichst schnell zu möglichst viel Geld zu kommen. Er habe dann Frauen überfallen, weil er in ihnen leichtere Opfer sah. Die Autos wollte er dann zu Geld machen und so seine ehemalige Partnerin davon überzeugen, zu ihm zurückzukommen.

"Da der Angeklagte aber auch in Zukunft Beziehungen haben wird und dadurch auch weitere Trennungen erleben könnte, kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu Gewaltdelikten kommen", analysierte Kastner. Deshalb legte sie in ihrem Gutachten die Einweisung des Kroaten nahe.

Bauch geschützt

Eines der Opfer berichtete indes von dem Überfall. Sie sei nach Hause gekommen und habe ihre Auto in der Tiefgarage geparkt. Nachdem sie ausgestiegen war, wurde sie plötzlich nach hinten zu Boden gerissen. Als sie am Boden lag, habe der Täter mehrmals wuchtig gegen ihren Kopf getreten. "Ich habe mich nur noch zusammengekauert und versucht, meinen Bauch zu schützen, weil ich damals hochschwanger war", schilderte die Zeugin. Schließlich sei es ihr gelungen, aufzustehen und wegzulaufen.

Geschworene

Beim Prozess zogen sich die Geschworenen am frühen Nachmittag zur Beratung zurück. Zwei seiner drei Opfer seien schwer verletzt worden, Sissy Böhm sogar lebensbedrohlich, sagte Gerichtsmediziner Walter Rabl.

Böhm habe wegen Schwellungen im Halsbereich ausgelöst durch einen "kräftigen Strangulationsvorgang" vorübergehend sogar künstlich beatmet werden müssen, erklärte Rabl. Sie habe zudem unter anderem Einblutungen im Gehirn und einen Bruch ihrer rechten Augenhöhle erlitten. Auch das dritte Opfer sei bei dem Überfall schwer verletzt worden. Der Gerichtsmediziner sprach bei ihr von einem "massiven Schädel-Hirn-Trauma".

Mordvorsatz

"Die Beweise sind sehr, sehr deutlich", sagte Staatsanwalt Thomas Willam in seinem Schlussplädoyer. Außerdem würde die massive Art der Tatausführung für einen bedingten Mordvorsatz sprechen. Auch Hermann Holzmann, Böhms Anwalt, sprach von einem "klassischen Mordversuch". "Der Angeklagte ist und bleibt brandgefährlich", fügte Holzmann hinzu.

Der Verteidiger des Kroaten meinte hingegen, dass sein Mandant immer beteuert habe, dass er die Frauen nicht töten und auch nicht so schwer verletzen wollte. "Ich bitte Sie heute mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen zu entscheiden", appellierte der Verteidiger an die Geschworenen. Der Angeklagte selbst hatte bis zuletzt kein Wort von sich gegeben.