Graf will Selbstbestimmung für Südtirol

Verbindungs-Kommers

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Graf will Selbstbestimmung für Südtirol

Mit einer umfassenden Medienschelte hat Martin Graf (F) bei seiner Festrede anlässlich des Burschenschafter-Kommerses am Samstagabend in Innsbruck aufhorchen lassen. Der Dritte Nationalratspräsident forderte unter anderem "unabhängige Medien" und "echte Pressefreiheit". Beim gegenwärtigen System ortete der FP-Mandatar "verdeckten Meinungskauf durch den Missbrauch öffentlicher Gelder".

Grund für die Erregung Grafs war die Berichterstattung über den Kommers der "wehrhaften Korporationen", zu denen neben schlagenden Burschenschaften auch die Akademischen Sängerschaften und Turnverbände gehören. Ab dem Bekanntwerden der Veranstaltung in Innsbruck sei "der übliche Sturm der Entrüstung" losgebrochen.

Graf wirft Zeitungen "Hetze" vor
Er sei bereits bei den Kommersen 1994 und 2000 in der Landeshauptstadt dabei gewesen und sei auch der Einladung in diesem Jahr "ohne zu zögern" gefolgt. "Ich bin stolz, ein Aushängeschild des akademischen rechten Lagers zu sein", sagte er. Graf prangerte die "unglaublichen Diffamierungen" und die "politische Hetze" der "politischen Linken" und einiger Tageszeitungen gegen die Veranstaltung an.

Den Burschenschaften selbst verordnete Graf, selbst "Alter Herr" der schlagenden Wiener Verbindung Olympia, mehr Bereitschaft zur Veränderung. "Wir müssen erkennen, dass wir derzeit zu eng aufgestellt sind", meinte er. Es brauche beispielsweise mehr Wissenschaftler, Künstler, Journalisten und Philosophen in den eigenen Reihen.

Thema Südtirol
Ein weiteres großes Thema bei der Veranstaltung, zu der zahlreiche schlagende Verbindungen aus ganz Österreich und Deutschland angereist waren, nahm Südtirol ein. Das Recht auf Selbstbestimmung sei Südtirol bis heute verwehrt geblieben, meinte Graf. "Für Südtirol kann es keinen Kompromiss geben, sondern nur eine Lösung."

Die Veranstaltung mit etwa 700 Teilnehmern hatte mit leichter Verspätung gegen 20.30 Uhr in der Messehalle begonnen. Trotz anderslautender Befürchtungen waren Krawalle und Ausschreitungen bei den beiden Gegendemonstrationen bis in die Nachtstunden weitgehend ausgeblieben. Die beiden Züge der Kundgebungen hatten sich, flankiert von zahlreichen Polizisten, gegen 18.00 Uhr vor der Messe getroffen und etwa eine Stunde später langsam aufgelöst.

Nach Angaben der Polizei dürften sich etwa 2.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt haben. Über gröbere Zwischenfälle war bis zum späten Abend nichts bekanntgeworden. Ein Zusammentreffen zwischen einer Gruppe Burschenschafter, die zur Festveranstaltung unterwegs war, und einigen Demonstranten auf dem Heimweg verlief harmlos. Es kam laut Polizei lediglich zu einer verbalen Auseinandersetzung, und einem der Burschenschafter kam sein Käppi abhanden.

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