14. Jänner 2010 12:56

Sollten ersticken 

Schweine-Experiment in Tirol abgebrochen

Ein Experiment im Ötztal erhitzte die Gemüter: 29 Schweine sollen in einer künstlichen Lawine sterben.

Schweine-Experiment in Tirol abgebrochen
© Reuters

Eine Welle der Empörung trieb Österreichs Tierschützer gestern nach Vent ins Ötztal. Denn in der Szene war ein gruseliger Tierversuch durchgedrungen: Anästhesisten der Uniklinik Innsbruck und alpine Notfallmediziner aus Bozen wollten insgesamt 29 narkotisierte Schweine im Schnee vergraben.

Erfrieren und ersticken
Die Allesfresser sollten – an Messgeräte angeschlossen – erfrieren und ersticken, um Lawinensituationen zu simulieren. Gewebeproben der Kadaver sollten wissenschaftlich ausgewertet werden, um Aufschlüsse über den weißen Tod zu bekommen: „Das Projekt gibt uns Infos über das Überleben unter Lawinen“, versucht Notfallmediziner Hermann Brugger zu beruhigen: „Es gibt leider keine Alternative, um Menschenleben zu retten.“

Empörung
Tierschützer sehen das anders. Johanna Stadler, Geschäftsführerin der Organisation Vier Pfoten, sprang sofort ins Auto, um vor Ort zu demonstrieren und Anzeige zu erstatten: „Es ist absolut inakzeptabel, dass hilflose Tiere gequält und beim Sterben beobachtet werden.“

Im Gleichklang der Österreichische Tierschutzverein: „Die Wissenschaftler sollen sich selbst eingraben, ihre Kollegen dürfen dann die Ergebnisse auswerten“, heißt es in einer Aussendung über „die widerwärtigsten Tierversuche, die jemals in Österreich stattfanden“. Auch die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Madeleine Petrovic, spricht von „Barbarei“: „Diese Versuche sind ein Schlag ins Gesicht für jeden serösen Zugang zur Wissenschaft.“

Genehmigt
Unfassbar für alle Tierfreunde. Der Versuch wurde von der Tierethikkommission im Wissenschaftsministerium genehmigt. Vier Pfoten-Kämpferin Stadler dazu: „Aber es ist wohl kein Zufall, dass zu den entsprechenden Sitzungen niemals ein Tierschützer eingeladen wurde.“

Abbruch
Donnerstagnachmittag war die Stimmung in Vent laut Polizist Markus Baldauf vom Posten in Sölden so aufgeheizt, dass Zusammenstöße zwischen Forschern und Aktivisten befürchtet wurden. Folge: Die Versuchsreihe wurde abgebrochen. Fraglich ist noch, ob zur Gänze.


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