Urlauber selbst schuld am Tod?

Lawinen-Drama

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Urlauber selbst schuld am Tod?

Sechs Menschen sind bei einem Lawinenabgang im Gebiet des Tiroler Nobelskiortes Sölden gestorben. Die Einsatzkräfte waren schon gestern mit einem Hubschrauber auf dem Weg zur Unglücksstelle, mussten aber wegen des schlechten Wetters umkehren. Erst heute Früh herrschte Flugwetter: Die Verunglückten konnten nur mehr tot geborgen werden.

Alle Opfer Tschechen
Am späten Samstagnachmittag gegen 16.15 Uhr wurde der Lawinenabgang am Schalfkogel in der Gurgler Gruppe von Augenzeugen gemeldet. Die Zeugen sprachen von mehreren möglichen Verschütteten. Die Opfer kommen fast alle aus Tschechien, ein einziger ist Slowake. Die Reisegruppe war vom Hochwilderhaus in den Ötztaler Alpen zu ihrem Aufstieg auf den 3.500 Meter hohen Schalfkogel aufgebrochen. Einer von ihnen, ein etwa 45 Jahre alter Mann, blieb in der Hütte geblieben. Er ist der einzige Überlebende und musste am Vormittag die Toten identifizieren.

Rudi Mair vom Lawinenwarndienst mahnt für die nächsten Tage zu Vorsicht am Berg.
ÖSTERREICH: Wie ist das Unglück vom Samstag zu erklären?
Rudi Mair: Wir haben immer noch einen schneereichen Winter. Im hochalpinen Gelände ist das Lawinenpotenzial nach wie vor sehr hoch.

ÖSTERREICH: Könnte die Opfer eine Mitschuld treffen?
Mair: Weil sich die Urlauber nicht auskannten, kamen sie von der Route ab. Die frischen Niederschläge sorgten für eine instabile Schneeschicht, die dann durch das Gewicht der Skifahrer leicht ausgelöst wurde.

ÖSTERREICH: Was raten sie allen Bergfexen für die nächsten Tage?
Mair: Am Sonntag gab es blauen Himmel. Aber bereits heute rechnen wir mit den nächsten Schneefällen. Die Lawinengefahr wird wieder ansteigen.

ÖSTERREICH: Also am Besten zu Hause bleiben?
Mair: Nein, aber die Vorsicht walten lassen. Die Schneedecke ist durchfeuchtet und hat an Festigkeit verloren. Ab dem späten Vormittag kann es sehr gefährlich werden.

Unglück auf 3.000 m Höhe
Die Unglücksstelle liegt auf rund 3.000 Metern Höhe. "Das ist ein vergletschertes Gebiet, da liegt viel Schnee", beschrieb ein Beamter den 3.500 Meter hohen Schalfkogel. Die Lawinengefahr in Tirol war am Samstag durch die Niederschläge leicht angestiegen, verbreitet aber als mäßig einzustufen.

Schon einmal war die Gemeinde Sölden im Ötztal Ort eines tragischen Unglücks gewesen. Am 5. September 2005 verlor ein Hubschrauber etwa 700 Kilo schweren Betonkübel. Dieser riss eine Gondel der "Schwarzen-Schneid-Bahn" in die Tiefe. Aus einer zweiten Kabine wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert. Für neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren, endete das Unglück tödlich.

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