Sechs FSME-Erkrankungen durch Ziegenmilch

Zeckenkrankheit

Sechs FSME-Erkrankungen durch Ziegenmilch

oe24.at hatte von dem Fall im Juli berichtet - jetzt bestätigten Experten eine wissenschaftliche Sensation: FSME ohne Zeckenstich.

Damals war von fünf Infektionen die Rede, jetzt ist man sich sicher: insgesamt sechs Menschen wurden per Schaf-Kuhmilch-Frischkäse von der Alm infiziert. Das bestätigte das Institut für Virologie der MedUni-Wien. Was ehemals als ziemlich undenkbar galt - FSME-Infektionen über orale Infektion UND in den Bergen - trat Juli in Vorarlberg ein: Sechs Menschen wurden mit dem heimtückischen Virus infiziert. Keiner der Betroffenen war gegen die Krankheit geimpft.

So kam es zur Infektion
Am 20. Juni stieg ein Senner in Vorarlberg auf seine Alm auf 1.564 Meter und stieg am Abend des 12. Juli wieder ab, da er sich "grippig" fühlte und zum Notarzt ging. Der schickte ihn in die HNO-Abteilung des Krankenhauses Feldkirch. Eine Probe von Rückenmarksflüssigkeit des Patienten erbrachte den eindeutigen Nachweis: Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Franz X. Heinz, Chef des virologischen Instituts in Wien: "Der mann war nicht gegen FSME geimpft, bemerkte aber keinen Zeckenstich.

Allerdings gab er an, Frischkäse, den er selbst aus unpasteurisierter Ziegen- und Kuhmilch hergestellt hatte, verzehrt zu haben. Damit stand erstmals der Verdacht einer oralen Übertragung des FSME-Virus im Raum."

Steckte Familie oral (!) an
Der Verdacht erhärtete sich, als der Mann berichtete, seine Schwiegereltern, die nicht auf der Alm gewesen waren, aber von demselben Ziegenkäse gegessen hatten, wären mit "Grippe" und Kopfschmerzen im Krankenhaus Rankweil behandelt worden.

Und jetzt die medizinische Neuheit: Bei ihnen wurde über Blutuntersuchungen ebenfalls eine "frische" FSME-Infektion festgestellt. Von demselben Käse hatte auch die Ehefrau des ersten festgestellten Patienten und eines seiner Kinder sowie ein befreundetes Ehepaar gegessen. Mit einer Ausnahme kam es in allen Fällen zu einer FSME-Infektion, bei zwei Personen allerdings ohne Symptome. Die Ehefrau des Senners steckte sich offenbar nicht an, weil ihr auf den Frischkäse übel wurde und sie erbrochen hatte.

Ziege als Verursacher identifiziert
Damit haben sich sechs Personen bloß durch den Genuss des Ziegenkäses infiziert: Bei der weiteren virologischen Unterschung wurde den Tieren des Senners Blutproben entnommen. Neutralisierende FSME-Virus-Antikörper wurden nur bei jener Ziege nachgewiesen, deren Milch für die Herstellung des Ziegenfrischkäses verwendet worden war.

Alpen nicht mehr FSME-frei
Damit ist klar: Die so "natürliche" alpine Alm ist in Österreich nicht mehr FSME-frei. Bisher hatte man geglaubt, dass ab einer Seehöhe von 1.350 Metern keine Zecken mehr vorkommen. Möglicherweise - so die Experten - hat der Klimawandel bereits den Lebensraum der FSME-Überträger erweitert. Über Milchprodukte erfolgte FSME-Infektionen sind in den vergangenen Jahrzehnten fast ausschließlich aus den baltischen Ländern bekanntgeworden.

Im Jahr 2007 gab es in Österreich 45 FSME-Erkrankungen. Bis zum 28. Juli dieses Jahres waren es bereits 32. Die Impfung schützt zuverlässig gegen eine Erkrankung. In den vergangen Jahrzehnten hat die Impfung die jährliche Zahl der Fälle von ehemals bis zu 700 pro Jahr drastisch reduziert.

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