30. April 2009 21:52
Sie liest die Zeitungen, sieht fern, steht ab und zu auf und geht durch ihr
abgeschottetes Krankenzimmer. Österreichs erstes Opfer des Mexiko-Virus ist
wieder auf den Beinen, macht gesundheitlich große Fortschritte. Mehrmals
täglich geht die Schleuse zum Quarantäne-Raum auf, meist sind es Ärzte oder
Pfleger. Aber auch Familienmitglieder oder ihr Freund und künftiger Ehemann
haben bereits die Erlaubnis, die 28-Jährige Wirtschafts-Studentin zu
besuchen. Aber nur mit Mundschutz, Schürze und Handschuhen.
Proben noch positiv
Zwar kann ihr behandelnder Arzt Christoph
Wenisch schon Entwarnung geben: „Der Zustand hat sich weiter gebessert. Sie
hat nur noch minimale Halsschmerzen.“ Dennoch muss die Studentin weiter in
Isolation bleiben. Denn bei den bisherigen Proben wurden immer noch Reste
der Viren festgestellt. Zweimal pro Tag, in der Früh und am Abend, werden
die Abstriche genommen und dann mit einem speziellen Kurierdienst (und nicht
per Taxi) in die Virologie geschickt.
„Das ist jetzt einfach eine Frage der Geduld. Wir wollen in diesem Fall
tausendprozentige Sicherheit“, sagt ein Sprecher. Und so muss die angehende
Akademikerin auch am heutigen Feiertag weiter im dreistöckigen Pavillon der
Isolierstation im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien bleiben. Die Patientin
sei trotz ihrer unangenehmen Situation gelassen und dränge die Ärzte nicht
auf eine frühe Entlassung. „Sie ist da sehr cool“, so Wenisch.
Bereits seit Montagabend befindet sich die junge Frau in Spitalsbehandlung.
Sie hatte sich nach einem Urlaub bei den Eltern in Guatemala offenbar bei
einem Flug von Mexiko City nach Miami angesteckt. Die Folge: Schlagartig
hohes Fieber, starke Schmerzen, Schüttelfrost.
Verdachtsfälle
Unterdessen gab es auch gestern einen
Verdachtsfall: In Salzburg schlug ein Ehepaar beim Hausarzt Alarm. Die
beiden waren in Madrid mit einer mexikanischen Gruppe in Kontakt gekommen
und klagten über typische Symptome. Erste Schnelltests brachten zwar ein
negatives Ergebnis. Dennoch wurde eine Probe sofort nach Wien geschickt.
Inzwischen wurde das ältere Paar zur Sicherheit unter „Hausarrest“ gestellt
– sie dürfen ihr Haus nicht verlassen.
Am späten Abend hatte das Referenzlabor in Wien alle offenen Tests
abgeschlossen. „Alle offenen Tests waren negativ. Es gibt auch keine
weiteren Verdachtsfälle“, so das Gesundheitsministerium.