12. April 2010 12:56
Zum zweiten Mal hatte sich am Montag ein 52-jähriger Wiener im
Straflandesgericht vor Geschworenen zu verantworten, weil er im Februar 2006
in räuberischer Absicht in Wien-Döbling einen 81 Jahre alten Pensionisten
erschlagen haben soll. Im Oktober 2007 war der Mann mit 5:3 Stimmen vom
Vorwurf des schweren Raubes mit Todesfolge freigesprochen worden. Im März
2008 ging allerdings seine Ex-Freundin zur Polizei, die zur ersten
Verhandlung nicht erschienen war, und belastete den Notstandshilfebezieher
massiv.
Augenzeugin
Sie behauptete, mit eigenen Augen gesehen zu haben,
wie der 52-Jährige mehrmals mit einem Baseballschläger auf den betagten
Rentner einschlug und diesem im Anschluss eine Herrentasche wegnahm. Der
52-Jährige wurde neuerlich in U-Haft genommen, die Staatsanwaltschaft bekam
im Hinblick auf die neue Beweislage eine Wiederaufnahme des Verfahrens
bewilligt.
Heute erzählte die 36-jährige Frau dem Schwurgericht (Vorsitz: Ulrich
Nachtlberger), dass sie am Abend des 4. Februar 2006 ihren damaligen Freund
begleitete, als dieser in Döbling Autos aufbrechen wollte. Am Nussdorfer
Platzl sei diesem der 81-jährige Kurt Z. aufgefallen. "Schau, da
ist Geld", soll der Mann gesagt haben und dem Pensionisten gefolgt
sein. In der menschenleeren Freihofgasse soll er dann diesem mit einem
Baseballschläger mehrfach von hinten auf den Kopf geschlagen haben.
102.000 Euro
"Es war sehr laut. Ich konnte nach dem ersten
Schlag nicht mehr hinschauen", erzählte die Zeugin. Zu Hause hätte sie
mit ihrem Ex-Freund die geraubte Tasche zerschnitten, die neben 400 Euro ein
Sparbuch über 102.000 Euro, den Personalausweis des 81-Jährigen und vor
allem dessen Wohnungsschlüssel enthielt.
Mit dem Schlüssel soll sich der Angeklagte wenige Tage nach der Bluttat
Zutritt in die Wohnung des Opfers verschafft haben, das zu diesem Zeitpunkt
im Koma lag. Der 52-Jährige nahm laut Anklage das Mobiltelefon des
Pensionisten an sich und setzte sich in dessen Auto, das er anschließend
inserierte und im Namen von Kurt Z. verkaufte.
"Nicht schuldig", "Die Frau lügt"
Wie
schon im ersten Verfahren bekannte sich der Angeklagte auch diesmal "nicht
schuldig", obwohl der Staatsanwalt ihm diesmal Mord vorwarf, weil nach
seinem Dafürhalten dem Angreifer klar sein musste, dass der 81-Jährige
wuchtige Schläge mit einem Baseballschläger kaum überleben würde. "Die
Frau lügt", schwor der 52-Jährige. Er sei mit dieser niemals
einbrechen gegangen und habe sich zum Tatzeitpunkt zu Hause befunden.
Die Anschuldigungen erklärte er sich damit, dass die Frau - eine gebürtige
Ungarin - ihn auf Jahre ins Gefängnis habe bringen wollen, um weiter in
seiner Wohnung bleiben zu können: "Ich hab' sie nämlich
rausgeschmissen, weil jedes Mal, wenn ich nach Hause gekommen bin, es dort
einen Saustall gehabt hat." Außerdem habe ihm die Frau einen Computer
und einen Fotoapparat gestohlen.
Doppelter Schädelbruch
Kurt Z., den Passanten gegen 20.00
Uhr bewusstlos und blutüberströmt im Schnee liegend vorgefunden hatten, war
drei Wochen nach dem Überfall infolge seiner schweren Kopfverletzungen
gestorben. Der Täter hatte ihm einen doppelten Schädelbruch zugefügt.