18. Juni 2009 13:17
Die Österreichische Bevölkerung hat laut einer Marktforschungsumfrage im
Auftrag der Wirtschaftskammer am Umgang mit Rauchverboten in Lokalen kaum
etwas auszusetzen. Rund 63 Prozent seien mit dem gegenseitigen Miteinander
in ihren Stammbeisl'n zufrieden - Raucher und Nichtraucher gleichermaßen,
präsentierte Werner Beutelmeyer, Leiter des beauftragten
Meinungsforschungsinstituts "market". Für Aufruhr sorgten bei dem Termin
Nichtrauchervertreter, die das Studien-Ergebnis anzweifelten.
15 Prozent der 403 Befragten (ab 15 Jahren) erachten die derzeitige
Situation in ihren Lieblingslokalen laut Studie als "gar nicht
zufriedenstellend", fünf Prozent sind eher enttäuscht. 16 Prozent äußerten
keine Meinung zu dem Thema. Grundsätzlich sprachen sich 33 Prozent für ein
totales Rauchverbot aus, zwei Drittel (63 Prozent) plädierten für die im
Gesetz vorgesehene Wahlfreiheit.
Seit Jahresbeginn
Die jetzige Regelung trat mit Jahresbeginn in
Kraft und verbietet in Gaststätten ab 50 Quadratmetern Größe den
Tabakkonsum. Erlaubt sind räumlich strikt abgetrennte Raucherzimmer,
Einraumbetriebe unter 50 Quadratmeter dürfen den Genuss von Zigaretten ohne
Einschränkung erlauben. Für Umbauarbeiten ist eine Übergangsfrist bis Ende
Juni 2010 möglich.
Geht es nach der Umfrage, schreitet die Umstellung Schritt für Schritt
voran: 73 Prozent haben demnach die Umsetzung des Gesetzes in Restaurants
und Cafes schon bemerkt. Bei den Rauchern registrierten 91 Prozent einen
Unterschied, bei den Nichtrauchern 67 Prozent. Drei Viertel finden es "eher
gerechtfertigt", dass mit Übergangsfristen auf die Wirte Rücksicht genommen
wird. 17 Prozent sind damit nicht einverstanden.
Umbauarbeiten nötig
Auch 300 Wirte wurden im Zuge der Studie
befragt: 79 Prozent fürchten bei einem totalen Rauchverbot wirtschaftliche
Einbußen, 70 Prozent Jobverluste. Eine Rolle spielt hier auch die
Finanzkrise, deren Auswirkungen 51 Prozent laut eigenen Angaben schon
spüren. Wegen des Gesetzes sind in 27 Prozent der rund 70.000 Betriebe
Umbauarbeiten notwendig, zwölf Prozent haben diese schon durchgeführt.
94 Prozent der Wirte sind der Meinung ihre Nichtraucherbereiche sichtbar
gekennzeichnet zu haben. Nach der gesetzlichen Vorschriftsmäßigkeit wurde
nicht gefragt, auch die Sicht der Bevölkerung hat "market" nicht erfasst.
Laut Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, würde der
Großteil der Lokale tauglich ausschildern, jedoch nicht die juristisch
vorgesehenen Aufklebern verwenden. Hier werde man noch für mehr Aufklärung
sorgen. "Das Ergebnis der Umfrage entspricht überhaupt nicht dem Bild, das
von den sogenannten Nichtraucher-Sheriffs zuletzt immer wieder gezeichnet
wurde", kritisierte der Obmann Sammler von Anzeigen als "geringe Minderheit,
die nur etwas lauter schreit".
Gegner orten "manipulierte Zufriedenheit"
Genau mit
dieser lieferten sich die Vertreter der Pressekonferenz einen heftigen
Schlagabtausch: Manfred Neuberger von der Medizinischen Universität Wien
legte bei dem Termin eine "market"-Studie vom Mai 2007 vor, laut der 63
Prozent der Österreicher vor zwei Jahren für ein generelles Rauchverbot
plädierten. In der aktuellen Umfrage ortete der Wissenschafter daher eine
"manipulierte Zufriedenheit". Studienautor Beutelmeyer konterte unter
anderem mit Zitaten von Paul Watzlawick. Objektivität sei bei Vorliegen
aller Antwortkategorien vorhanden, erklärte er. "Das müssen sie zur Kenntnis
nehmen."
Dietmar Erlacher, Obmann der Selbsthilfegruppe "Krebspatienten für
Krebspatienten", nützte die Pressekonferenz für Drohungen mit Anzeigen wegen
fehlender Kennzeichnung gegen umliegende Lokale. Auch der Veranstaltungsort
- "Zum Schwarzen Kameel" - habe diese nicht, betonte er. Der Stein des
Anstoßes: Statt den vorgeschriebenen rot-grünen Plaketten kennzeichnet ein
kleines Bild mit einer durchgestrichenen Zigarette im Maul eines Kamels den
gänzlich qualmfreien Restaurantbereich des Traditions-Lokals.