10. November 2008 15:36
"Es wird das größte Sicherheitsaufgebot im Einsatz sein, das das
Horr-Stadion jemals erlebt hat." Das kündigte Markus Kraetschmer, der für
wirtschaftliche Belange verantwortliche AG-Vorstand des
Fußball-Bundesligisten FK Austria, für das am Dienstagabend stattfindende
287. Wiener Derby an. Demnach werden im und rund um die Arena in Favoriten
insgesamt 660 Sicherheitskräfte aufgeboten.
Sicherheitsleute verdoppelt
Damit wurde das Sicherheitspersonal
(Exekutivbeamte und private Security) gegenüber "gewöhnlichen"
Bundesliga-Partien verdoppelt. Zusätzlich zu den personell verstärkten
Vorkehrungen wurde die Video-Überwachungsanlage, die eine der modernsten in
Europa ist, um vier Kameras erweitert. Damit haben zehn elektronische Augen
das Horr-Stadion rund um die Uhr im Visier. "Das ganze Areal wird schon seit
Samstag bewacht", erzählte Kraetschmer.
Nach den Heimspielen gegen Borussia Dortmund, den LASK und Sturm Graz wurde
das Verkehrs- und Sicherheitskonzept, das im Zuge des Neubaus der Osttribüne
und der damit verbundenen Übersiedlung der Austria-Fans vom Westsektor
erstellt worden war, adaptiert. "Wir haben diesbezüglich mit den Fanclubs,
der Polizei und Rapid viele und lange Gespräche geführt, um die Anreise der
Anhänger-Gruppen zu optimieren", berichtete Kraetschmer am Montag.
Fan-Anmarschwege getrennt
Die Anhänger beider Vereine würden auf
dem Anmarsch zum Stadion demnach so weit wie möglich getrennt. "Die
Rapid-Fans werden vom Reumannplatz, wo sie einander treffen, über die
Laaerbergstraße zum Stadion geführt", kündigte der Austria-Funktionär an. Er
appellierte, zeitgerecht zu kommen, weil besonders an den Fan-Sektoren West
und Ost (Rapid bzw. Austria) strenge Eingangskontrollen und
Leibesvisitationen vorgenommen würden.
Zu dem Vorwurf, dass vor der neuen Osttribüne des Austria-Anhangs kein
Schutznetz mehr installiert ist, meinte Kraetschmer: "Als unsere Fans auf
der Westtribüne waren, hingen auch keine Netze. Das ist ein
Vertrauensvorschuss an unsere Fans. Uns ist bewusst, dass das Derby eine
Nagelprobe ist." Weiters betonte der Vorstand: "Rapid und wir sind
sportliche Konkurrenten, zwischen uns besteht keine Feindschaft. Wir wollen
ein Fußball-Fest auf dem Rasen umsetzen." Der Großteil der Anhänger sei auch
friedlich, sie müssten auf gewaltbereite Fans aus dem eigenen Lager
einwirken.
Rapid-Fans namentlich registriert
Auch Austria-Trainer Karl
Daxbacher und Manager Thomas Parits sind im Derby-Vorfeld um Besonnenheit
unter den Zuschauern bemüht. "Beide Teams sollen enthusiastisch unterstützt
werden, aber Hass und Gewalt haben nichts verloren", sagt der Feldherr und
der AG-Sportvorstand fügte hinzu: "Beide Fan-Gruppen sind gefordert." Aus
Gründen der Sicherheit im Stadion wurden diesmal auch nur 12.000
Eintrittskarten aufgelegt. 2.000 davon gingen an Rapid-Anhänger, von denen
jeder namentlich (Personalausweis) registriert ist.
Im Falle von neuerlichen gravierenden Ausschreitungen droht sogar das
Szenario, dass Derbys künftig im neutralen Happel-Stadion stattfinden
könnten. "Das wäre fatal, wenn man auf den Heimvorteil verzichten müsste,"
meinte dazu Kraetschmer.
Damit befindet sich der Austria-Vorstand auf einer Wellenlänge mit
Rapid-Clubservice-Leiter Andy Marek: "Jedem Rapid- und Austria-Fan muss klar
sein: Sollte es Stress geben, der über eine gewisse Grenze hinausgeht, wenn
zum Beispiel Personen gefährdet werden, dann wird es Derby in dieser Form
nicht mehr geben, dann werden sie im Happel-Stadion gespielt, diesbezüglich
gibt es eine klare Aussage von den Behörden. Ich rufe alle Rapid-Fans auf,
zu verhindern, dass ein Derby auf neutralem Boden gespielt wird", sagte
Marek.