11. November 2009 18:33
Peter Reichard ist der Kampusch-Experte. Am 25. Jänner läuft seine TV-Doku –
produziert von der Aktenzeichen XY-Produktionsfirma –, an der er dreieinhalb
Jahre gearbeitet hat, in der deutschen ARD, in Frankreich, Italien und
Großbritannien. Beim ORF laufen die Verhandlungen. Reichard sprach mit allen
Beteiligten – von Natascha, den Ermittlern bis zu Mutter Sirny
ÖSTERREICH: Thomas
Vogel will neue Beweise im Fall Kampusch haben. Was ist aus Ihrer Sicht
davon zu halten?
Peter Reichard: Überhaupt nichts. Es wird wohl
darauf hinauslaufen, dass es sich um Zusammenschnitte
bzw. um eine Fälschung handelt. Dass sich Oberstaatsanwalt
Mühlbacher mit ihm auseinandersetzt, muss wohl so sein. Nach meiner Kenntnis
ist Vogel mehrmals durchs deutsche Strafgesetzbuch wegen des Verdachts des
Betruges gegangen. Das ist ein Warnsignal – da muss man Fakten genau prüfen.
ÖSTERREICH:
Ist die Mehrtätertheorie
plausibel?
Reichard: Es wird vermutlich darauf hinauslaufen, was
Natascha Kampusch auch in meiner TV-Dokumentation sagt: Dass sie nur mit
einem Täter zu tun hatte, Herrn Priklopil. Was hätte es für einen Sinn
gemacht, Mitwisser zu haben? Priklopil wäre sofort erpressbar gewesen. Und
dass Natascha Kampusch von jemand anderem drangsaliert worden wäre ist
einfach nicht so. Dass durch die Evaluierungskommission von Adamovich neue
Theorien entwickelt werden ist in Ordnung – aber eine Mehrtätertheorie ist
letztlich nicht zu halten. Das Problem des Herrn Adamovich: Er kennt die
ganze Geschichte nur aus gedrucktem Papier.
ÖSTERREICH: Wie
erklären Sie sich die Täter-Debatte?
Reichard: Die
großen Fragen werden immer im Konjunktiv formuliert – „es könnte sein ...“.
Kampusch ist kein Opfertyp, wie man sich das in der Mäuschenperspektive
wünscht. Es hat ein Hascherl zu sein. Wenn aber das Opfer selbstbewusst
auftritt, werden Zweifel laut.