12. August 2009 09:51
Die Evaluierungskommission in der Causa Kampusch stellt sich geschlossen
hinter ihren Vorsitzenden, den ehemaligen Verfassungsgerichtshofspräsidenten
Ludwig Adamovich. Dieser hatte zuletzt mit einigen Aussagen für Aufregung
gesorgt: Er hatte gemeint, der Fall sei noch nicht abgeschlossen, zuviele
Themenbereiche seien noch offen, und Natascha könnte in Lebensgefahr
schweben.
Seine Kollegen verteidigen ihn nun. Adamovich habe Monate zugewartet - ohne
Erfolg bei den Anklagebehörden, die neue Ermittlungen ablehnten, der
Vorsitzende habe "Nerven wie Überseetelefonkabel", aber jetzt
sei ihm eben der Kragen geplatzt, so der Kriminalpsychologe Thomas Müller in
der ZiB2 am Dienstagabend.
Verbrechen ungeklärt
Der Entführungsfall sei weiterhin
nicht ausgeklärt, findet auch Müller. Drei wesentliche Fragen seien offen,
so Müller: Wie lief das Kidnapping konkret ab, wie und von wem wurde das
Verlies für das Tatopfer gebaut. Und: Gab es Personen und wer war das, die
über all die Jahre Bescheid wussten? Solange diese Fragen nicht beantwortet
seien, sei der Fall nicht geklärt, so Müller. Solange werde die Kommission
ihre Empfehlung nach weiteren Ermittlungen hoch halten.
Natascha in Gefahr
Müller bestätigte auch, dass Natascha
Kampusch in Lebensgefahr sein könnte. Entführungsfälle hätten im Allgemeinen
einen hohen Planungsgrad, allein dadurch gehe die Kommission von mehreren
Tätern aus. Und von eben diesen gehe eine weitere Gefahr für das Opfer aus.
Nur Empfehlungen
"Weil er in den gestrigen Tagen an den
Grenzen zur Untergriffigkeit angegriffen worden ist, haben wir uns
entschlossen, so jetzt müssen wir deutlich machen, dass Herr Adamovich für
die Kommission gesprochen hat", erläuterte Keplinger den Schritt, dass
mehrere Kommissions-Mitglieder an die Öffentlichkeit getreten seien. "Von
Anfang an wurde eigentlich vereinbart, es kann jeder seine Meinung haben,
aber die Kommissions-Meinung präsentiert Herr Adamovich. Herr Adamovich hat
die Öffentlichkeitsarbeit gemacht."
Keplinger erläuterte erneut die Funktion der unabhängigen
Evaluierungskommission, die selbst keine Erhebungen im Fall Kampusch
durchführt, sondern diesbezüglich an die Zuständigen nur Empfehlungen
abgibt. "Jetzt wurden wir installiert, auch um die Ermittlungen des
Bundeskriminalamts zu begleiten, weil wir den Akt gut kennen", so der
LKA-Chef zur zweiten Einberufung im Jänner.
Kommission gibt vorerst keine Kommentare mehr ab
Nach ihrer
Besprechung am Mittwoch hat sich die Evaluierungskommission im Fall Natascha
Kampusch entschlossen, vorerst keine weiteren Kommentare abzugeben. "Aus
unserer Sicht wurde alles gesagt, was gesagt werden muss", sagte die
stellvertretende Leiterin Susanne Reindl-Krauskopf vom Wiener Institut für
Strafrecht zur APA. "Daher ist es nicht notwendig, noch irgendetwas zu
wiederholen." Die Expertengruppe stehe weiter für Analysen zur Verfügung.
"Alles Weitere liegt jetzt bei der SoKo", betonte die Strafrechts-Expertin.