28. Mai 2009 22:14

Unbescholten, ruhig 

Das sind die Tempel-Terroristen

Nach tagelangem Verwirrspiel hat die Polizei die Täter des Tempel-Anschlags identifiziert. Zwei Verdächtige waren illegal in Österreich

Das sind die Tempel-Terroristen
© Wiener Rettung

Die Guru-Mörder von Wien: Sie lebten seit Jahren zurückgezogen und unauffällig in Wien, waren bisher völlig unbescholten und ruhig. Die Details:

Illegale
Zwei der sechs Täter sind illegal nach Österreich eingereist. Charnjit S. (24) kam im Alter von 16 Jahren 2001 nach Wien. Hardeep S. kam erst im Vorjahr nach Österreich.

„Religiöse Gründe“
Die weiteren vier mutmaßlichen Terroristen haben nach ihrer Einreise nach Österreich Asylanträge gestellt: Der 34 Jahre alte Haupttäter Jaspal S. kam ebenfalls im Vorjahr nach Österreich. Dreist: Er hat wegen „religiöser Hintergründe“ einen Asylantrag gestellt, der sich gerade im Berufungsverfahren befindet. Beim Anschlag am Sonntag wurde er von einer Kugel schwer verletzt, er liegt noch immer im UKH Meidling im Koma.

Der 45 Jahre alte Tarsum S. ist ebenfalls seit dem Vorjahr in Wien. Er hat einen Asylantrag gestellt, kam aber nie zu einer Vorladung. Deshalb sei laut Polizei kein Asylgrund bekannt.

Sukhwinder S., 28 Jahre alt, kam vor acht Jahren nach Österreich und stellte einen Asylantrag. Der angegebene Grund: Eine Familienfehde. Der ebenfalls 28-jährige Satwinder S. war seit fünf Jahren im Land: Asylantrag ohne Angabe von Gründen.

Terror-Treffen
Wie ÖSTERREICH berichtete, haben sich die fanatischen Männer von den restlichen, liberaleren Sikhs in Wien abgewendet. In Ottakring trafen sich einige der Männer regelmäßig in einer Wohnung der Wurlitzergasse. Auch am Volkertplatz im 2. Bezirk und im 10. Bezirk haben sich die Täter laut Polizei regelmäßig aufgehalten – laut einem Bekennerschreiben offenbar im Auftrag eines Top­terroristen aus Indien.

Verwirrspiele
Bis zuletzt versuchten die gefassten mutmaßlichen Terroristen, die Polizei in den Verhören an der Nase herumzuführen. Immer wieder gaben die Männer, die laut Polizei nicht miteinander verwandt sind, einfach falsche Namen an. Ein Problem bei den Ermittlungen: Gläubige Sikhs verwenden alle denselben Nachnamen „Singh“, übersetzt „Löwe“. Für die Polizei war die Identifizierung dadurch extrem schwierig. Die eingesetzten Exekutivbeamten und 6 Dolmetscher waren bisher nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Es wurden bisher etwa 30 Zeugen einvernommen und ebenso viele Schriftstücke durch die Ermittler des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung übersetzt.


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