26. August 2008 11:40
Der letzte Kampf des Edip Sekowitsch ist nicht im Ring, sondern auf der
Straße ausgetragen worden und hat einen fürchterlichen Ausgang genommen.
Dienstag früh wurde der ehemalige Europameister im Superweltergewicht im
Alter von 50 Jahren leblos am Wiedner Gürtel aufgefunden - vier Messerstiche
waren dem "Stier von Serbien" zum Verhängnis geworden.
Bluttat vor seinem Lokal
Die Bluttat ereignete sich in der Nähe
des Lokals "Ring frei" (später: Champ's Pub), das Sekowitsch (früher
Secovic) dank seiner Erfolge im Profi-Geschäft erworben hatte. Den ersten
Triumph landete er mit dem Gewinn des WM-Titels im Superweltergewicht nach
WAA-Version im Juni 1988, die große Stunde des 1980 nach Österreich
gekommenen Boxers schlug dann am 11. Juni 1989, als er in Rüsselsheim den
Deutsch-Spanier Jose Varela nach 5:17 Minuten ausknockte und sich danach den
EM-Gürtel umschnallen durfte.
Misslungene Vorbereitung kostet EM-Gürtel
Zwei Monate später
aber war er den Titel schon wieder los. Sekowitsch ging am 20. August in
Terracina gegen den Sizilianer Giuseppe Leto schwer k.o., was wohl auch die
Folge einer misslungenen Vorbereitung auf den Kampf war. Der gebürtige Serbe
lag zunächst weit über dem Gewichtslimit von 69,83 kg und schaffte es nur
nach einer schier unmenschlichen Prozedur, doch noch das Kampfgewicht zu
erreichen.
Die beiden Tage vor dem Aufeinandertreffen aß und trank er nicht, sondern
nahm lediglich Entwässerungstabletten zu sich. Als Sekowitsch beim ersten
Test dennoch zu schwer war, absolvierte er bei Temperaturen um 45 Grad einen
Strandlauf, setzte sich in einem Pkw Temperaturen von mehr als 70 Grad aus,
arbeitete mit der Springschnur und zog schließlich bei der offiziellen
Abwaage sogar seine Unterhose aus.
Als er mit all diesen Maßnahmen doch noch das Gewichtslimit erreichte, ließ
sich der damalige Titelverteidiger vor Freude eine halbe Früchtetorte mit
Melonen und Kiwi sowie einen Liter Orangensaft und eine Flasche
Mineralwasser servieren. Den Substanzverlust konnte Sekowitsch damit aber
nicht mehr wettmachen.
Karrierenede 1989
Der Italien-Trip markierte den Wendepunkt in
der Laufbahn von Sekowitsch. Im November 1989 kassierte der damals ins
Mittelgewicht umgestiegene Boxer in einem WBC-Kampf in Mödling gegen den
Argentinier Hugo Antonio Corti eine klare Punkte-Niederlage und verkündete
unmittelbar danach sein Karriereende.
Mehrere Comebacks
Im März 1991 trieb es "Schesko" aber schon
wieder zurück in den Ring. Er besiegte den US-Amerikaner Eric Cole, um
wenige Wochen später neuerlich seinen Rücktritt zu erklären, den er zunächst
1993 (Disqualifikation gegen Salvatore di Salvatore) und dann 1997
revidierte und wieder für einige Kämpfe (und Siege) gegen Gegner aus zumeist
eher niedrigen Kategorien die Box-Handschuhe anzog, ehe er im UBF-Titelkampf
im Supermittelgewicht in der Wiener Lugner City gegen den Kolumbianer Juan
Carlos Viloria verlor. Es folgte noch ein Sieg im offiziellen
Profi-Abschiedskampf im Oktober 2000 gegen den Südafrikaner Jongi
Gibson-Kamka.
Letzter Kampf in der Lugner City
Am 1. Juni dieses Jahres ließ
Sekowitsch zum letzten Mal innerhalb der Seile seine Fäuste sprechen und
schlug in der Wiener Lugner City den 26-jährigen Deutschen Steve Klockow in
der ersten Runde k.o. Nicht einmal drei Monate danach sank er im vierten
Wiener Gemeindebezirk für immer in die Knie, womit sich eine Aussage von ihm
bestätigte: "Außerhalb des Ringes, im sogenannten 'Lebenskampf', geht es
meist noch viel brutaler zu als bei uns. Da gibt es keine Regeln, keine
Ringrichter, und alle Schläge - auch jene unter der Gürtellinie - sind
erlaubt."