19. September 2007 23:04

ÖSTERREICH exklusiv 

Ehemaliger "Bombenleger" ist jetzt Imam in Wien

Der gebürtige US-Amerikaner legte eine Bombenattrappe vor das Lokal der Muslimischen Jugend in Wien-Fünfhaus, jetzt ist der Konvertit als Imam Abu Ibrahim der Chef der als radikal verrufenen Sahaba-Moschee.

Ehemaliger "Bombenleger" ist jetzt Imam in Wien
© APA

Nach der Verhaftung des angeblichen Terror-Paten Mohamed Mahmoud (22) war sie in aller Munde: Die als extrem eingestufte Sahaba-Moschee in der Wiener Lindengasse, in der früher auch Mahmouds Vater Shawki predigte. Jetzt warf der radikale Imam des Gebetsraums, Abu Mohammad („der Bosnier“), das Handtuch. Begründung: Der Vorbeter fühlt sich – auch wegen der Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Tage – zu ausgebrannt, um die Worte des Propheten zu verkünden.

Bombenalarm
Der Nachfolger des Vorbeters ist kein Unbekannter: Der gebürtige US-Amerikaner Eugen E. (30), genannt Imam Abu Ibrahim, war früher Baptist – und ist jener Konvertit, der am 11. September 2006 eine Bombenattrappe vor einem Lokal der Muslimischen Jugend in Wien-Fünfhaus deponierte. Mit dramatischen Folgen: Die Polizei rückte mit Sonderkommandos und dem Entminungsdienst an. Ein erster Verdacht richtete sich gegen die Neo-Nazi-Szene.

Einzelhaft
Doch die Spur war so kalt, wie die Bombe falsch. Aber auch die Attrappe brachte Eugen E. fünf Monate Gefängnis ein. 16 Wochen davon saß er in Isolationshaft ab. Umso spektakulärer jetzt sein Comeback in der umstrittenen Moschee. Seit Freitag ist der polizeibekannte Eugen E. neuer Imam der als radikal verrufenen Sahaba-Moschee.

Glaubensgemeinschaft für Ausbildung
In der Islamischen Glaubensgemeinschaft wusste man nichts davon, dass Abu Ibrahim in der Sahaba Imam ist. Carla Amina Baghajati wies darauf hin, dass man, um Imam zu sein, in Österreich keine Ausbildung oder kein Zeugnis braucht. Es könne sich auch eine kleine Gruppe ausmachen, "wer zu ihnen spricht". Die Glaubensgemeinschaft plädiert daher für eine geregelte Ausbildung. Damit würde "Transparenz einkehren" - und sichergestellt, dass nur jemand Imam werden kann, der ein Studium absolviert und spezielle Kompetenzen hat.

ÖSTERREICH hat den Imam exklusiv zum Interview gebeten.

ÖSTERREICH: Herr Imam Abu Ibrahim. Weshalb haben Sie eine Bombenattrappe vor das MJÖ-Lokal gelegt?

Imam Abu Ibrahim: Gleich vorweg: Das war eine schwachsinnige Aktion. Ich wollte darauf hinweisen, dass Österreich sich in eine gefährliche Richtung bewegt. Es ist gefährlich, dass man einem HC Strache erlaubt „Daham statt Islam“ zu plakatieren. Das finde ich übrigens immer noch. Er hätte ja schreiben können: „Daham statt Hassprediger“. Ich habe die Sache aber sofort bereut, doch da war es schon zu spät.

ÖSTERREICH: Aber warum haben Sie ausgerechnet die MJÖ ausgesucht?

Imam Abu Ibrahim: Die MJÖ und auch die Glaubensgemeinschaft sind unislamisch. Beide Organe sind rein politisch, und sie kontrollieren Muslime. Manche gehen in Moscheen und melden das Geschehen dort dem Verfassungsschutz. Das ist die einzige Aufgabe der Glaubensgemeinschaft.

ÖSTERREICH: Seit Freitag sind Sie Imam der Sahaba-Moschee, die als radikal gilt. „Terrorpate“ Mahmoud ging in diese Moschee, sein Vater war dort Prediger.

Imam Abu Ibrahim: Mahmoud hat den Islam nicht verstanden. Sein Weg der Gewalt war falsch, er ist unislamisch. Wir in der Sahaba-Moschee haben den richtigen Islam auch erst vor kurzem gefunden. Übrigens predigen wir auf Deutsch.

ÖSTERREICH: Wie stehen Sie zur Demokratie?

Imam Abu Ibrahim: Für mich ist Demokratie Vielgötterei. Der Prophet lehrt mich aber, wie ich mich an die hiesigen Gesetze halten kann, und das tu ich. Aber niemand kann mich zwingen, mich zur Demokratie zur bekennen. Sie ist nicht islamisch.

ÖSTERREICH: Sind Al Kaida-Terroristen islamisch?

Imam Abu Ibrahim: Sicher nicht. Bin Laden und Konsorten sind keine Muslime. Sie haben den Dschihad zur Religion gemacht. Sie verstehen nicht, was der wahre Islam ist.


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