08. August 2009 21:53

ÖSTERREICH-Interview 

Eltern: "Wir wussten, wo Yvonne war"

Bereits am Tag nach Yvonnes Verschwinden übergab ihr Vater der Polizei die Liebesbriefe des Onkels. Doch erst nach 20 Monaten wurde sie gerettet.

Eltern: "Wir wussten, wo Yvonne war"
© Markus Hofer/TZ ÖSTERREICH

ÖSTERREICH: Was geht in Ihnen vor, jetzt, wo Ihre Tochter in Sicherheit ist?
Gerhard F.: Ich könnt die ganze Zeit plärren vor Erleichterung aber auch aus Wut, weil wir immer gewusst haben, dass sie der Wolfgang hat, aber so lange Zeit einfach nix passiert ist.

ÖSTERREICH: Sie haben Ihren konkreten Verdacht der Polizei mitgeteilt?
Gerhard F.: Am nächsten Tag war ich gleich dort, als die Yvonne nicht nach Haus gekommen ist. Ich hab den Beamten die ausgedruckten Liebesschwüre, die der Wolfgang ihr im Internet geschickt hat, gegeben und auch sein Autokennzeichen.

ÖSTERREICH: Die Liebesschwüre waren Ihr einziger Verdacht gegen den Onkel?
Gerhard F.: Nein, die Yvonne war ja schon vorher drei Tage ausgerissen, da war sie auch bei ihm. Als sie dann zum zweiten Mal weg war, waren sich sogar die Damen vom Jugendamt sicher, dass sie wieder mit ihm unterwegs ist.

ÖSTERREICH: Die Polizei meint, dass er Ihre Tochter durch häufigen Wohnungswechsel geschickt versteckt hat.
Gerhard F.: Das trau ich ihm zu, er ist geschickt und verlogen und hat sogar mich einmal getäuscht, als ich ihn getroffen habe. Er heulte wie ein Schlosshund und hat mich angefleht, ihm zu glauben, dass er mit Yvonnes Verschwinden nichts zu tun hat. Kurz hab ich ihm sogar geglaubt. Die Polizei hat ihn ja auch schon vor Monaten dazu vernommen und er konnte mit seiner Masche die Beamten ebenfalls vorerst an der Nase herumführen.

ÖSTERREICH: Wie konnte Wolfgang Yvonne so manipulieren?
Gerhard F.: Ich hab keine Ahnung. Sie war immer ein ganz schüchternes Mädchen und bissl naiv, vielleicht deshalb.

ÖSTERREICH: Wie soll es jetzt weitergehen?
Gerhard F.: Für uns zählt nur eins, dass wir die Yvonne so schnell wie möglich wieder in den Armen halten können. Das alles ist ja nicht mehr zum aushalten. Aber wir wollen natürlich auch, dass jemand zur Verantwortung gezogen wird. Unser Kind hätte nach einem Tag befreit werden können – und nicht erst nach 20 Monaten bei diesem Perversen, der sich ihr Vertrauen erschlichen und das arme Kind so ausgenutzt hat.


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