28. März 2008 11:02

Chronologie 

Entführungen von Österreichern seit 1998

Das Schicksal von Irak-Geisel Nussbaumer steht vor der Klärung. Doch ist er nicht der erste Österreicher, der Opfer einer Entführung wurde.

Entführungen von Österreichern seit 1998
© APA

In politisch brisanten Regionen der Welt kommt es immer wieder zu Entführungen westlicher Touristen, Geschäftsleute, Sicherheitsleute und Journalisten. Im Folgenden ein Überblick über Ereignisse der vergangenen zehn Jahre, in die Österreicher involviert waren bzw. sind:

27. Februar 1998
Nach fast zwei Wochen in der Gewalt von Geiselnehmern im westafrikanischen Land Sierra Leone kommen fünf europäische Missionare, unter ihnen der Vorarlberger Arzt Andreas Erhard (36), wieder frei. Die fünf Entwicklungshelfer des Ordens der Barmherzigen Brüder waren am 14. Februar aus ihrem Spital in Lusar verschleppt worden. Die Entführung ereignete sich zwei Tage nach dem Sturz der Militärjunta.

23. April 2001
Eine Geiselnahme pro-tschetschenischer Rebellen in einem Istanbuler Luxushotel geht noch am gleichen Tag ohne Blutvergießen zu Ende. Die bewaffneten Geiselnehmer lassen die 120 Menschen in ihrer Gewalt - unter ihnen auch bis zu acht Österreicher - nach fast zwölf Stunden frei und ergeben sich der Polizei.

13. Mai 2003
Alle zehn in der algerischen Sahara entführten Österreicher werden nach fast zwei Monaten aus der Hand ihrer Geiselnehmer - der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) - befreit und kehren nach Österreich zurück. Gemeinsam mit den acht Salzburgern und zwei Tirolern kommen sechs Deutsche und ein Schwede frei. Damit befinden sich noch 15 der ursprünglich insgesamt 32 entführten Europäer in der Gewalt von Geiselnehmern. Bei ihnen handelt es sich um zehn weitere Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer. Sie kommen Mitte August 2003 frei, eine deutsche Geisel überlebt die Strapazen der Geiselhaft nicht.

13. Juli 2005
Ein im Gaza-Streifen entführter Österreicher und ein Brite werden nach wenigen Stunden wieder freigelassen. Der Steirer Volker Mitterhammer, der für eine Tiroler Firma als Ingenieur für Wasseraufbereitungsanlagen arbeitet, war gemeinsam mit seinem britischen Kollegen von zwei Personen in ein Auto gezerrt und in das Flüchtlingslage Al Bureij gebracht worden. Beide Männer werden freigelassen, nachdem hohe palästinensische Offizielle einschreiten und die Entführung beenden.

24. Dezember 2005
Während einer ganzen Serie von Einführungen von Ausländern im Jemen geraten auch die beiden österreichischen Architekten Barbara Meisterhofer (31) und Peter Schurz (52) in die Hände von Geiselnehmern. Nach wenigen Tagen kommen sie nach Verhandlungen zwischen Stammesführern und der Zentralregierung in Sanaa am 24.12. unversehrt wieder frei.

4. April 2006
Die Leichen der seit Jänner 2006 vermissten österreichischen Touristen Peter Kirsten Rabitsch (28) und Katharina Koller (25) werden in der bolivianischen Hauptstadt La Paz aufgefunden. Sie waren von Kriminellen entführt, ausgeraubt und ermordet worden. Das auf Weltreise befindliche Wiener Paar war von der bolivianischen Stadt Copacabana am Titicacaca-See kommend, am 26. Jänner in La Paz verschwunden. Im August 2006 werden die mutmaßlichen Mörder gefasst und ein Jahr später zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

16. November 2006
Der 25-jährige Oberösterreicher Bert Nussbaumer wird gemeinsam mit vier amerikanischen und neun ortsansässigen Mitarbeitern der US-Sicherheitsfirma Crescent Security Group im Irak entführt. Nach ersten Audio- und Video-Botschaften, die die Entführer den Behörden bzw. Medien zuspielen, gibt es monatelang kein Lebenszeichen der Geiseln mehr.

10. März 2008
Der nordafrikanische Zweig des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida hält nach eigenen Angaben zwei Touristen aus Österreich - die Halleiner Wolfgang Ebner (51) und Andrea Kloiber (43) - fest. Sie seien bereits am 22. Februar in Tunesien entführt worden, meldet der Fernsehsender Al-Jazeera. In der Folge werden die beiden offenbar nach Mali verschleppt, es beginnen über Mittelsmänner intensive Verhandlungen mit den Geiselnehmern. Zuletzt setzten die Entführer ein Ultimatum bis 6. April, um ihre Forderungen eingelöst zu sehen.

24./27. März 2008
Nachdem am 12. März bestätigt wird, dass US-Behörden "DNA-Spuren" (möglicherweise abgetrennte Finger) von Nussbaumer und seinen vier Kollegen erhalten haben, werden am 24. und 27. März die Leichen von fünf im Irak entführten Geiseln gefunden. Bei dreien handelt es sich um amerikanische Arbeitskollegen Nussbaumers, der vierte tote Amerikaner arbeitete für ein Logistikunternehmen. Er war im Jänner 2007 entführt worden. Eine Identifizierung der fünften Leiche ist noch ausständig, es könnte sich um den Amerikaner Johnaton Cote oder aber um Nussbaumer selbst handeln. Das Außenministerium in Wien erklärt, über den Oberösterreicher keine "gesicherten Informationen" weitergeben zu können.


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