16. Juni 2009 19:44
Über kaum einen Kriminalfall gibt es so viele Spekulationen wie um die
Entführung von Natascha Kampusch. 2006 kam sie frei, seit dem Vorjahr wird
wieder im Bundeskriminalamt ermittelt. Es geht dabei um drei Punkte:
1. War Wolfgang Priklopil ein Einzeltäter?
Wolfgang Priklopil gilt bis dato als Einzeltäter. Bis heute existiert aber
die aufrechte Zeugenaussage einer bei der Entführung zwölf Jahre alten
Schülerin, die gesehen haben will, dass eine zweite Person in das Kidnapping
involviert gewesen ist. Bereits in dem ersten Bericht des eingesetzten Teams
rund um Ludwig Adamovich wird auf einen „von Anfang an fassbaren Hinweis in
Richtung Mehrtäterschaft“ eingegangen.
2. Welche Rolle spielt Priklopils Freund Ernst H.?
Ermittlungen gegen den Freund von Wolfgang Priklopil, Ernst H., führten
bisher zu keinen Verdachtsmomenten. Dennoch bleibt ein Detail mysteriös:
Priklopil hatte sich nach seiner Flucht mehrere Stunden mit H. getroffen,
bevor er sich das Leben nahm. H. hat angegeben, nichts von der Entführung
von Natascha Kampusch gewusst zu haben. Dennoch soll er bei seiner
Vernehmung wenige Stunden nach der Flucht von Natascha Kampusch die Beamten
sofort gefragt haben: „Hat er sie umgebracht?“ – bevor der konkrete Fall
überhaupt angesprochen worden war.
3. Spielt Kinderpornografie eine Rolle?
Die Zeitschrift stern berichtete 2006, dass der Verdacht bestehe, dass
Priklopil Fotos und Filme von Kampusch angefertigt und diese in der
Sado-Maso-Szene verkauft haben soll. Im Zuge der Ermittlungen wurden mehrere
Personen entdeckt, die unabhängig von der Causa Kampusch im Verdacht stehen,
mit Kinderpornografie etwas zu tun zu haben. Die Bilder der halb Nackten,
die vor ihrer Entführung angeblich von ihrer Halbschwester gemacht worden
sind, ließen laut Kinderpsychiater Max Friedrich jedoch „keinen Schluss auf
kinderpornografische Ausbeutung zu“.