08. November 2009 21:03
Der deutsche Grafiker Thomas Vogel ist einer der beiden geheimnisvollen
Zeugen, auf die Ermittler der Soko Natascha große Hoffnungen setzen. Denn
Vogel behauptet, er sei im Besitz von Fotos und handschriftlichen
Aufzeichnungen des Natascha-Entführers Wolfgang Priklopil, die dem Fall eine
neue Wende gäben. Am 29. Oktober wurde das Material im Zuge einer
Hausdurchsuchung beschlagnahmt. ÖSTERREICH sprach mit dem Mann, der jetzt
für Schlagzeilen sorgt.
ÖSTERREICH: Was haben Sie als Deutscher mit dem Fall Kampusch
zu tun?
Thomas Vogel: Ich war schon immer am Schicksal Nataschas
interessiert. Und zwei Tage nach ihrer Flucht bin ich dann in einem
speziellen Internet-Forum auf einen Kinderporno gestoßen. Zu sehen war ein
Hochbett, darauf ein Mädchen, das offenbar betäubt war. Davor stand ein
Mann, der die Decke hochzog. Dann schwenkte die Kamera von den Beinen des
Mädchens hoch zum Gesicht: Es war Natascha.
ÖSTERREICH:
Was haben Sie unternommen?
Vogel: Ich habe die damals zuständigen
Ermittler im Burgenland informiert. Aber die haben mich nicht einmal
zurückgerufen.
ÖSTERREICH: Und dann?
Vogel:
Ich habe meinem Ärger im Internet Luft gemacht. Dann hat sich am 9. 9. 2006
per Mail ein Mann gemeldet, der sich als Freund Priklopils ausgab.
ÖSTERREICH:
Was wollte er?
Vogel: Die Dinge ins rechte Licht setzen. Als er
Vertrauen gefasst hatte, hat er mit per Post eine Art Vermächtnis Priklopils
geschickt – handgeschrieben und mit vielen Details, auch Fotos.
ÖSTERREICH:
War das brisantes Material?
Vogel: Ja. Die Notizen zeigen, dass
Priklopil ein seelisch kranker Eigenbrötler war, der Natascha vergöttert
hat. Die war die längste Zeit über nicht seine Gefangene, sondern seine
Partnerin, die versprochen hat, bis zu ihrem 18. Geburtstag zu bleiben. Die
Fotos belasten Priklopil-Freund Ernst H. schwer als Mitwisser.