FBI soll klären, ob es Mord war

Alijev

FBI soll klären, ob es Mord war

Der Tod des kasachischen Ex-Botschafters Rakhat Alijev in Wien wird zum Polit-Krimi. Nachdem bei einem Schnelltest obskure Schlafmittel in Alijevs Blut gefunden wurden, werden die Zweifel am Alijev-Suizid lauter.

Alijevs Anwalt: FBI-Einsatz »ist im Sinne der Justiz«
Alijev-Anwalt Manfred Ainedter fordert nun, das FBI hinzuzuziehen. Der US-Geheimdienst wurde 2012 im Fall Natascha Kampusch beigezogen. Es sei nun „sogar im Sinne der Justiz“, so Ainedter zu ÖSTERREICH, die weltbesten Leute zu holen, alles zu prüfen.

Rückblick
Dienstag um 7.20 Uhr wurde Alijev tot in seiner Einzelzelle in der Justizanstalt Josefstadt gefunden. Er war seit Juni 2014 in U-Haft, soll am Mord an zwei kasachischen Bankern beteiligt gewesen sein. Mit Mullbinden erhängte er sich nun. Videoaufnahmen sollen belegen, dass niemand außer Alijev in der Einzelzelle war.

Neuester Aufreger: Alijevs Ex-Zellengenosse Christian K. sprach mit ÖSTERREICH über den Kasachen (s. links). Dieser sei verängstigt gewesen – auch wegen angeblicher Daten, die Verbindungen von Austropolitikern nach Kasachstan belegen. Er sagt: „Alijev hatte panische Angst, ermordet zu werden.“

Eigene Kommission kommt
Nun äußert sich auch Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) in ÖSTERREICH zu dem Fall. Er ist um Seriosität bemüht – jahrelang war er Alijevs Anwalt.

Obduktion in Schweiz
Der Minister kündigt an: „Fix ist eine zweite Obduktion in der Schweiz.“ Eine Kommission unter Ernst Eugen Fabrizy soll zudem den Fall unabhängig beleuchten – vorerst ohne FBI.

(küe)

 

Mithäftling packt aus

»Er hatte panische Angst, ermordet zu werden«

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Herrn Alijev in der Zelle erlebt? Wie war er?

Christian K.: Am Anfang war er voller Energie. Er hat gesagt, er geht in zwei Tagen nach Hause. Er hatte nichts außer Zigaretten. Ich habe ihn versorgt.

ÖSTERREICH: Hat er jemals Suizid-Absichten geäußert?

K.: Niemals. Er sagte, dass er Angst vor dem Geheimdienst habe. Ich habe aber die Zusammenhänge nicht verstanden, zumal er angab, Chef vom Geheimdienst gewesen zu sein.

ÖSTERREICH: Herr Alijev soll in Furcht gelebt haben, dass ihm im Gefängnis etwas zustoßen könnte – hat er dahin gehend etwas erwähnt?

K.: Kurz vor der Ausführung ins Spital hat er Panik gehabt, dass irgendwer ihn umbringt. Weiters erzählte er mir, dass er über eine Festplatte verfügt, mit der er beweisen kann, dass österreichische Politiker von Kasachstan Schwarzgeld bekommen haben in Verbindung mit Öl-und Gasgeschäften.

ÖSTERREICH: Ihnen wird vorgeworfen, Herrn Alijev erpresst zu haben. Was ist an den Vorwürfen dran – immerhin hat er Ihnen ja Geld zukommen lassen.

K.: Ich habe ihn nie erpresst. Er wollte mir freiwillig helfen, dass ich zu meinen Kindern in Freiheit gehen kann. Er sagte, er hilft mir, indem er Geld an meinen damaligen Anwalt schickt. Ich habe das nicht ernst genommen. Als er einmal bei seinem Anwalt war und dann zurückkam, sagte er mir, er hat Geld schicken lassen und deutete, ich solle den Mund halten.

J.Prüller, E. Kühnelt

 

Justizminister Brandstetter zu Fall Alijev:  

ÖSTERREICH: Spätestens seit dem Fall Alijev fragt man sich: Was ist los in Österreichs Gefängnissen?

Wolfgang Brandstetter: Wir sind mitten im Totalumbau des Strafvollzugs. Wesentlicher Reformschritte sind begonnen. So wird mit 1. Juli die Generaldirektion für den Strafvollzug ins Justizministerium integriert.

ÖSTERREICH: Was kommt als nächster Schritt?

BRandstetter: Wir wollen zurechnungsunfähige und kranke Personen nicht mehr in Gefängnissen betreuen, sondern in speziellen Abteilungen in Krankenanstalten. Denn dort gehören sie auch hin.

ÖSTERREICH: Im Fall Alijev kursieren bereits Mord-Theorien. Was tun Sie?

Brandstetter: Die Behörden werden alles an Ermittlungsmöglichkeiten aufbringen, um vollständig und transparent aufzuklären. Wenn nötig, werden ausländische Experten hinzugezogen. Fix ist eine zweite Obduktion in der Schweiz.

ÖSTERREICH: Dafür auch die Expertengruppe?

Brandstetter: Ja, natürlich. Ich habe keinen Zweifel, dass die Behörden ihre Arbeit machen. Es darf aber keine Grundlage für Spekulation geben. Dafür werden drei Experten völlig unabhängig arbeiten.

ÖSTERREICH: Brauchen Sie die Gruppe auch, weil Sie selbst ein Naheverhältnis zu Alijev hatten?

Brandstetter: Ich würde in ähnlichen Fällen, in denen die Ermittlungstätigkeit angezweifelt wird, genauso agieren. D. Knob

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