05. November 2007 14:08
Sie haben sich nichts mehr zu sagen. Die Kollegen von einst würdigen sich
heute keines Blickes mehr. Die Stimmung zwischen ihnen entspricht der
Jahreszeit: frostig. Der Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1), Roland
Frühwirth, und der suspendierte Top-Cop Ernst Geiger lassen vielmehr zum
dritten Mal infolge ihre Anwälte im Bezirksgericht Hietzing für sich
sprechen.
Rückblick
Konkret geht es um die sogenannte Sauna-Affäre,
über die der damals interimistische Kripo-Chef Ernst Geiger im März 2006
gestolpert ist. Ihm wird vorgeworfen, dass er seinem Bekannten Wolfgang
Bogner eine Razzia in der Sex-Sauna verraten habe – das Ende von Geigers
Karriere.
Privatanklage
Geiger machte Frühwirth öffentlich für die
Vernichtung seiner beruflichen Laufbahn verantwortlich. Der Chef der KD 1
klagte den suspendierten Kollegen daraufhin wegen übler Nachrede und
Kreditschädigung. Die beiden bisherigen Verhandlungen waren noch gemäßigt
verlaufen. Insider vermuten aber, dass der Kampf der Polizei-Giganten heute
brutal wird.
Zündstoff
Grund dafür ist der jüngst öffentlich gemachte
polizeiinterne Bericht des Büros für Rechtssachen. „Wenn nur ein Drittel
davon stimmt, haben wir den größten Polizeiskandal jeher“, meint Bogner, der
es sich nicht nehmen lässt, heute als Kiebitz dem Prozess beizuwohnen.
Prüfung
Wie berichtet, werden in dem Bericht auf 75 Seiten
das Vorgehen und die Methoden der Ermittler in der Sauna-Affäre scharf
kritisiert. Tenor: Die Sauna-Affäre soll von Frühwirt und dessen
vorgesetzten General Horngacher hochgepusht worden sein, um Geiger zu
schaden. „Das sind alte Hüte“, so Polizeipräsident Peter Stiedl gegenüber
ÖSTERREICH. „Wir werden die Verdachtsmomente genauestens prüfen.“