08. November 2009 20:59
Am 29. Oktober gab es im deutschen Städtchen Tengen eine überraschende
Hausdurchsuchung. Verblüffte Zielperson der Fahnder: der Networker und
Grafiker Thomas
Vogel in der Schwarzwaldstraße 6.
Die Kripo war auf Amtshilfe-Ersuchen des Grazer Oberstaatsanwalts Thomas
Mühlbacher ausgerückt. Und der erklärt: „Es gibt in Deutschland zwei
Personen, die behaupten, Beweismittel zu besitzen, die den ganzen Fall
Natascha in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. Das werden wir
jetzt prüfen.“
Die Zeugen, die der Staatsanwalt ernst nimmt: Thomas Vogel, der sagt: „Ich
habe das handschriftliche Vermächtnis von Natascha-Entführer Wolfgang
Priklopil und weiß, dass der Fall noch lange nicht geklärt ist.“ Und ein
Kumpel, den Vogel ins Vertrauen zog – und der auch ein Ekelvideo von
Natascha gesehen haben will. Bei ihm wurde ebenfalls eine Hausdurchsuchung
durchgeführt. Im
ÖSTERREICH-Interview grantelt Vogel: „Die Polizei hat mein gesamtes
Material beschlagnahmt. Dabei hätte ich es auch freiwillig rausgerückt, wenn
die früher nicht so barsch mit mir umgegangen wären.“
Tagebuch und Bilder aus Nataschas Gefängnis
Ist der
Grafiker kein Aufschneider, sind die Ermittler jetzt einen Schritt weiter.
Denn erstens behauptet Vogel, auf dem Natascha-Video aus dem Verlies sei
Priklopil zu sehen. Also muss ein Mittäter gefilmt haben. Als Abnehmer
solcher Ware gibt es eine heiße Spur zu einer Pädophilen-Clique, von der
einige in einem Nobelinternat maturiert haben und heute in Machtpositionen
sind.
Nebenbei deute Priklopils Vermächtnis, so Zeuge Vogel, darauf hin, dass sich
Täter und Opfer im Lauf der Zeit arrangiert haben – und Natascha frühere
Gelegenheiten zur Flucht nicht genutzt habe. Was eine neue Einvernahme der
nunmehr 22-Jährigen erfordert.
Vor allem aber sei die Hinterlassenschaft auch mit Bildern gespickt. Und
einige davon würden Natascha – Jahre vor ihrer Flucht – mit einem Mann
zeigen, der behauptet, sie nur einmal gesehen zu haben: Priklopil-Freund
Ernst H. Vogel: „Alles ist jetzt im Besitz der Polizei.“
Auch Verdachtsmomente gegen Nataschas Mutter
Freilich waren die
Ermittlungsergebnisse der Soko Natascha unter Oberst Franz Kröll auch davor
schon so dicht, dass Staatsanwalt Mühlbacher jetzt offiziell gegen Ernst
H. wegen „Freiheitsentziehung“ (§ 99 StGB) ermittelt. Aus dem BKA dringt
durch, dass der einst engste Vertraute des Entführers (es gilt die
Unschuldsvermutung) mehrfach bei Schutzbehauptungen und Widersprüchen
ertappt wurde.
Mögliche nächste Bombe der Soko: Eine Verbindung zwischen dem Entführer
Priklopil und Nataschas Familie. Die Ermittler wollen auch Verdachtsmomenten
gegen die Mutter, Brigitte Sirny, nachgehen.
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"Jetzt bricht alles auf" ÖSTERREICH: Was
sagen Sie zur Wende im Fall? Peter Pilz: Jetzt bricht auf,
was 2006 von ÖVP-Innenministern zugedeckt wurde. Und es wird noch
viel mehr aufbrechen. ÖSTERREICH: Wurde nur
zugedeckt, um Ermittlungspannen zu vertuschen oder um eventuelle
Mittäter zu decken? Pilz: Sicher Ersteres. Aber der
mögliche Zweittäter war ein Nutznießer dieser ÖVP-Vertuschungen. ÖSTERREICH:
Sie schreiben ein Buch darüber ... Pilz: Die
Geschichte wird immer größer, je mehr ich recherchiere. Das Buch
kommt noch heuer.
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