Asylwerber
Geheime Massen-Abschiebung vom Airport Wien
Es war die größte Massenabschiebung der EU-Geschichte: Eine gecharterte Airbus-Maschine flog am Freitag 71 Flüchtlinge heimlich nach Nigeria.
Abschiebungen gibt es fast täglich - aber noch nie zuvor in dieser Dimension. Am Freitag wurden 71 abgelehnte Asylwerber aus elf EU-Staaten in ihre Heimat gebracht: per Charter-Maschine vom Flughafen Wien-Schwechat, direkt nach Lagos (Nigeria) bzw. weiter nach Banjul (Gambia). Die Öffentlichkeit wurde darüber nicht informiert.
Das ergeben ÖSTERREICH-Recherchen, die vom Innenministerium bestätigt werden. „Es handelte sich um eine EU-Abschiebung, bei der Österreich als ,Leading Nation' fungiert hat“, sagt Ministeriumssprecher Rudolf Gollia.
200 Beamte
Der Aufwand für die Massenabschiebung war gigantisch:
68 Nigerianer und drei Gambier wurden mit Zubringerflügen aus der halben EU
nach Wien gebracht, fünf Asylwerber aus Österreich waren an Bord. Im Schnitt
kamen auf jeden „Abzuschiebenden“ 2,6 Polizisten, knapp 200 in- und
ausländische Beamte waren an Bord des gecharterten Airbus 330-200
(Kostenpunkt: 304.792 Euro). Zudem waren ein Arzt und zwei Beobachter dabei,
die die gefesselten Afrikaner betreuten.
Lob
Dabei war auch Günter Ecker vom Verein Menschenrechte. Der
umstrittene Menschenrechtler (er wurde wegen Behördennähe kritisiert) ist
voll des Lobs: „Erstaunlich, wie professionell die Operation durchgeführt
wurde“, sagt er.
Die Kosten der Aktion trägt übrigens die EU-Agentur Frontex: Sie erstattet den elf Nationen exakt 569.535,03 Euro zurück, den Mammut-Teil bekommt Österreich.
Demos
Warum aber die Geheimniskrämerei? Dazu Sprecher Gollia: „Es
gab keine Notwendigkeit, die Operation zu kommunizieren.“ Beobachter
glauben, dass man Proteste verhindern wollte: In Deutschland mobilisieren
Charterabschiebungen tausende Demonstranten.
Autor: Florian Lems



